#3/8: Kunst, Algorithmen und Authentizität
Shownotes
In dieser Folge von „Less of the Same“ sprechen wir mit der Wiener Künstlerin Deborah Sengl über Kunst, Algorithmen und die gefährliche Monokultur des Immergleichen. Es geht um die Frage, wie Social Media, Plattformisierung und Personalisierung unsere Wahrnehmung glätten – und warum gerade Kunst dieses Gleichförmige radikal durchbrechen muss.
Deborah Sengl arbeitet seit rund 25 Jahren als Künstlerin und ist bekannt für ihren unverwechselbaren Stil zwischen Maskerade, Tierköpfen, scharfem Humor und politischer Schärfe. Sie erzählt, warum sie digitale Plattformen gleichzeitig als Verstärker und Gleichmacher erlebt, wie Algorithmen „Repetition als Innovation verkleiden“ und weshalb sich unsere Feeds oft wie eine visuelle und inhaltliche Monokultur anfühlen.
Wir sprechen über:
- Authentizität statt Kalkül: Warum sie strikt nur das macht, was sie innerlich für notwendig hält – und nie zuerst an Verkäuflichkeit denkt.
- Kunst und Marke: Wie man sichtbar wird, ohne sich zur Marke zu verbiegen, und warum Authentizität am Ende selbst zur Marke wird.
- Social Media für Künstler:innen: Wie sie Instagram pragmatisch und gerne als Marketingtool nutzt und warum sie alles selbst macht.
- Provokation und Missverständnisse: Vom gekreuzigten Huhn als Kommentar zur Massentierhaltung bis zum „Wolf-Priester“ und den Reaktionen, Shitstorms und Ausladungen, die darauf folgen.
- Kunstfreiheit und Zensur: Ihre Sorge, dass politischer Druck, Fördereinschnitte und Angst vor Kontroversen die Freiheit der Kunst schrittweise einschränken.
Deborah Sengl beschreibt Kunst als „kreative Reaktion“ auf eine Welt, die sie als hart, bedroht und von multiplen Krisen geprägt erlebt. Sie sieht ihre Aufgabe darin, unbequeme Themen sichtbar zu machen – von Krieg über Missbrauch in Institutionen bis hin zu Flucht – und dennoch mit handwerklicher Präzision und einem klaren Sinn für Humor zu arbeiten, damit Menschen überhaupt hinschauen.
Ein zentrales Motiv der Folge ist Reibung: Warum echter Diskurs, Grautöne und Zuhören immer seltener werden und wie Social Media, Polarisierung und das ständige „Senden ohne Zuhören“ unsere Gesellschaft spalten. Wir sprechen über Aktivismus, Canceln, die Angst vor Missverständnissen und darüber, warum es gefährlich wird, wenn nur noch harmlose, unpolitische Kunst gefördert wird.
Außerdem geht es um:
- Neugier als kreative Superkraft und warum Sengl ständig neue Medien, Themen und sogar Sportarten ausprobiert.
- Unterschied zwischen künstlicher und künstlerischer Intelligenz – und warum sie sich von KI in ihrer Kunst nicht bedroht fühlt.
- Einsamkeit im Atelier, Selbstzweifel, Perfektionismus und den Moment, in dem ein Bild mit einem Punkt wirklich fertig ist.
Mehr zur Reihe „LOTS – Less of the Same“ und weitere Folgen findest du auf der Website.
**Danke fürs Zuhören! **
Transkript anzeigen
00:00:03: Hallo und willkommen bei Less of the Same,
00:00:07: dem Podcast rund um das Thema Kreativität und
00:00:10: die Zukunft der Kreativität.
00:00:12: Heute bei uns zu Gast Deborah Sengel.
00:00:14: Hallo, willkommen.
00:00:15: Hallo.
00:00:15: Geht's dir gut?
00:00:16: Ja, noch, ja.
00:00:17: Schauen wir mal, dass wir Fragen kommen.
00:00:19: Das freut mich.
00:00:19: Danke für die Einladung.
00:00:23: Wir haben als kleines Experiment gestern JetGPT gebeten,
00:00:28: sich in deine Rolle zu versetzen und haben
00:00:29: das Interview schon mit JetGPT geführt.
00:00:31: Und ich würde dir gerne vorlesen, was du
00:00:34: gesagt hast und dann sagst du mir, wie
00:00:35: du das findest.
00:00:36: Ja, gut, ich bin ganz neugierig.
00:00:38: Okay, also wir haben dich gefragt, wie du
00:00:41: das Thema Less of the Same findest und
00:00:42: du hast geantwortet, Less of the Same, das
00:00:44: gefällt mir sehr sogar.
00:00:46: Diese Sea of Sameness, das haben wir ja
00:00:47: angesprochen in der Erklärung, Sea of Sameness, dass
00:00:50: alles immer gleichförmiger wird durch die Plattformisierung.
00:00:53: Diese Sea of Sameness sehe ich überall.
00:00:55: In der Kunst, in der Werbung, in der
00:00:56: Politik, im persönlichen Ausdruck.
00:00:58: Die digitalen Plattformen sind großartige Verstärker, aber auch
00:01:02: unglaubliche Gleichmacher.
00:01:04: Alles wird kuratiert, optimiert, algorithmisiert und dadurch geglättet.
00:01:08: Es entsteht diese visuelle und inhaltliche Monokultur, die
00:01:11: vorgibt, Vielfalt zu sagen, aber eigentlich nur Variationen
00:01:15: derselben Formel reproduziert.
00:01:17: Sie lehnt sich zurück, verschränkt die Arme nachdenklich.
00:01:22: Wissen Sie, ich arbeite ja oft mit Täuschung,
00:01:24: Maskerade, Rollenbildern.
00:01:25: Und ich habe den Eindruck, dass die digitale
00:01:27: Welt genau das tut.
00:01:28: Sie verkleidet Repetition als Innovation.
00:01:31: Sie präsentiert die tausendste identische Idee nur mit
00:01:34: einem neuen Filter.
00:01:35: Das erzeugt eine Art ästhetischen Nebel.
00:01:38: Ich bin begeistert, warum sitze ich hier?
00:01:40: Wir haben dich geklont.
00:01:42: Ja.
00:01:42: Stimmst du dem zu?
00:01:44: Also mir gefällt es, ich widerspreche nicht.
00:01:47: Okay.
00:01:49: Vielleicht kann ich dem etwas mehr hinzuzufügen, aber
00:01:51: ich selber nütze Chachibiti nicht.
00:01:55: Also ich habe da nicht so eine Affinität
00:01:56: für diese Materie, aber in dem Fall scheint
00:02:00: er, sie, mich ein bisschen zu kennen.
00:02:03: Offensichtlich.
00:02:04: Weil die Frage, habt ihr es auch kontrolliert,
00:02:05: wenn man jemand anderen fragt?
00:02:07: Nein, haben wir nicht.
00:02:08: Das wäre natürlich interessant, ob nicht alle das
00:02:10: gleiche dann sagen quasi.
00:02:11: Ja, das weiß ich nicht.
00:02:13: Das mit den Maskeraden wurde ja offensichtlich auf
00:02:15: mich Bezug genommen.
00:02:16: Ja, schon.
00:02:16: Ich glaube, Chachibiti hat schon das Internet gefragt.
00:02:20: Spannend.
00:02:26: Harm, wie siehst du das Thema Less of
00:02:28: the Same?
00:02:28: Also wir haben die Theorie, dass wir in
00:02:31: einer Welt leben, die uns immer mehr More
00:02:33: of the Same ausspielt, weil wir eben durch
00:02:35: die Algorithmen klassifiziert werden.
00:02:38: Die schauen, was gefällt mir und dann zeigen
00:02:40: sie mir mehr von dem.
00:02:42: Wie siehst du das?
00:02:44: Ja, das ist eine Tatsache, würde ich sagen.
00:02:46: Also jeder, der soziale Netzwerke nützt, kriegt das
00:02:49: mit, wenn du das meinst.
00:02:51: Ich meine, wenn ich mit einem Freund einer
00:02:53: Freundin telefoniere und über eine Stadt rede, dann
00:02:55: habe ich sofort danach Hotel-Tipps.
00:02:59: Ich finde es immer eigentlich ganz interessant, dass
00:03:01: ich wahnsinnig viele Boulder-Videos im Moment bekomme.
00:03:04: Tatsächlich kletter ich jetzt nicht wahnsinnig erfolgreich, aber
00:03:07: gelegentlich und kriege nie Kinder-Videos zum Beispiel.
00:03:12: Eine Zeit lang waren es Biberraten, die Karotten
00:03:16: durch die Gegend getragen haben.
00:03:17: Was das über mich sagt, weiß ich nicht,
00:03:19: aber es hat mich amüsiert.
00:03:21: Irgendwann sind sie dann wieder weg.
00:03:23: Also jetzt klettern sie für mich Wände rauf
00:03:25: und runter.
00:03:26: Ich wusste nicht mal, dass es Biberraten gibt.
00:03:30: Du nutzt soziale Medien also selber auch.
00:03:34: Wie beeinflusst sich das in Bezug auf die
00:03:36: Kunst, die du machst?
00:03:38: Inspiriert dich das oder eher nicht?
00:03:40: Holst du dir da Ideen oder eher nicht?
00:03:43: Ja, nein, würde ich sagen.
00:03:45: Ich nutze es eher, um mich selber zu
00:03:49: präsentieren, weil es schon eine Plattform ist, die
00:03:52: nicht zu ignorieren ist.
00:03:53: Vor allem Instagram ist schon ein Kanal, wo
00:03:56: ich merke, dass ich eine gewisse Aufmerksamkeit generieren
00:03:59: kann.
00:04:00: Aus Langeweile schaue ich rein, eben nicht nur
00:04:03: Boulderern oder wie das heißt in der Mehrzahl,
00:04:07: aber als richtig Inspiration, vielleicht unterbewusst.
00:04:11: Die Inspirationen kommen eher aus der Welt, in
00:04:15: der wir leben oder aus den Nachrichten oder
00:04:18: eben die Themen, die mich umgeben, als konkret
00:04:22: aus Instagram.
00:04:23: Das Thema Vermarktung von Kunst ansprechen.
00:04:28: Viele Künstlerinnen und Künstler versuchen ja eine Marke
00:04:31: zu sein.
00:04:32: Versuchen eine Marke zu sein, finde ich schon
00:04:34: ein bisschen schwierig.
00:04:35: Entweder man isst eine oder nicht oder schafft
00:04:38: eine oder nicht.
00:04:39: Entschuldige, dass ich dich unterbreche.
00:04:40: Nein, nein, viele arbeiten ja auch bewusst daran,
00:04:42: deswegen sage ich das.
00:04:43: Oder man wird zu einer Marke.
00:04:46: Eine Freundin von mir ist Künstlerin, die hat
00:04:48: mir ihr Leid geklagt, dass man sich so
00:04:49: über Instagram vorvermarkten muss.
00:04:52: Ich kenne das auch von der Musikszene, von
00:04:54: Bands.
00:04:54: Wenn du als Band irgendwo spielen willst auf
00:04:56: einem Festival oder einen Plattenlabel suchst, musst du
00:05:00: erstmal hinschicken, wie viele Follower habt ihr.
00:05:04: Von Künstlerinnen und Künstlern habe ich das auch
00:05:05: gehört, dass wenn du zu einer Galerie ausgestellt
00:05:09: oder repräsentiert werden willst, dass die auch schauen,
00:05:13: wie viele Follower hast du.
00:05:14: Du musst schon Marketing mitbringen.
00:05:17: Okay, vielleicht ist das für dich nicht mehr
00:05:18: der Fall, weil du ja doch schon über
00:05:21: die Anfangsphase hinaus bist.
00:05:23: Bin schon ausgewachsen, ja.
00:05:25: Bist schon fertig.
00:05:28: Bist schon reich und erfolgreich.
00:05:30: Aber wie ist das bei dir mit der
00:05:31: Vermarktung deiner selbst und deiner Kunst?
00:05:35: Na ja, wie gesagt, ich bin jetzt doch
00:05:37: schon über 50 irgendwie.
00:05:40: Es gibt ja in diesem Beruf keinen Anfangsarbeitstag.
00:05:43: Aber ich würde sagen, seit 25 Jahren lebe
00:05:47: ich von meiner Leidenschaft.
00:05:52: Ich habe in einer Zeit angefangen, da gab
00:05:54: es noch gar keine sozialen Netzwerke.
00:05:56: Als es das dann angefangen hat zu geben,
00:05:58: habe ich da relativ rasch mitgemacht.
00:06:01: Aber ich würde sagen, versuchen, eine Marke zu
00:06:05: kreieren, das halte ich schon einmal für schwierig.
00:06:07: Ich glaube, es ist mir gelungen, einen gewissen
00:06:09: Stil zu haben, eine gewisse Unverwechselbarkeit, wo man
00:06:13: mich eben wiedererkennt in der Stilistik meiner Arbeit.
00:06:17: Was mich jetzt vielleicht als Erscheinung betrifft auch,
00:06:19: aber ich finde, das sollte eine sekundäre Rolle
00:06:21: spielen.
00:06:21: Ich meine, ja, ich habe da auch einen
00:06:23: gewissen Stil.
00:06:25: Aber ja, sowas entwickelt sich.
00:06:27: Ich glaube, wenn man authentisch arbeitet und authentisch
00:06:29: ist, dann ist man per se eine Marke.
00:06:32: Und wenn man das dann noch verknüpfen kann
00:06:34: mit gewissen Marketingmethoden, die ich, glaube ich, ganz
00:06:38: gut beherrsche, und sie machen mir auch Spaß,
00:06:40: und ich glaube, dass ich sie ganz, ganz
00:06:42: geschickt nütze, auch bewusst nütze, dann ist das
00:06:46: in dieser Weise ein Selbstläufer.
00:06:48: Ich habe allerdings nicht gewusst, dass man Galeristen
00:06:50: oder Galerien oder Museen eine Followerzahl vorweisen muss.
00:06:54: Vielleicht muss ich daran arbeiten, noch mehr Follower
00:06:56: zu generieren.
00:06:58: Aber, wie wir wissen, ist das ja auch
00:06:59: ein seltsames Spiel.
00:07:00: Ich muss ja so und so viele Leute
00:07:02: folgen, damit ich eine Followerzahl generiere.
00:07:05: Und insofern ist das ja auch alles ein
00:07:07: bisschen Tarnen und Täuschen, was ja ein Teil
00:07:10: meiner Marke ist, meiner Arbeit.
00:07:12: Tarnen und Täuschen.
00:07:13: Und wie, du hast gesagt, du nutzt dieses
00:07:15: Marketing.
00:07:17: Was machst du da konkret?
00:07:19: Naja, ich schaue halt schon, dass ich Postings
00:07:23: aus gewissen regelmäßigen Abständen, was poste, neu erarbeite.
00:07:27: Natürlich, wenn Berichterstattungen sind, ich werde unseren Podcast
00:07:32: sich in irgendeiner Form zum Beispiel teilen und
00:07:36: versuche halt so gewissermaßen Aufmerksamkeit zu generieren.
00:07:39: Das heißt, du bist dein eigenes Marketing, oder
00:07:42: hast du jemanden?
00:07:43: Nein, ich mache alles selber.
00:07:44: Das hat aber auch damit zu tun, dass
00:07:45: ich ein Kontrollfreak bin und ungerne Dinge abgebe,
00:07:49: weil ich schon eher zum Überperfektionismus neige und
00:07:52: so kann ich, wenn, nur auf mich böse
00:07:55: sein.
00:07:56: Das bin ich oft genug.
00:07:57: Ich sage immer, ich bin der strengste Chef.
00:07:59: Also ich möchte nicht bei mir angestellt sein.
00:08:02: Okay.
00:08:03: Aber du hast gesagt, du machst das gerne.
00:08:04: Das heißt, das nervt dich nicht, immer irgendwas
00:08:06: posten zu müssen und zu interagieren mit Leuten?
00:08:10: Nein, ich mache es gern.
00:08:11: Ich mache es auch relativ rasch.
00:08:13: Ich höre von manchen Menschen, was für ein
00:08:14: Aufwand das ist.
00:08:14: Also ich habe jetzt keine Spezialkameras oder so
00:08:17: ein Zeug, aber wie gesagt, es geht ja
00:08:18: weniger um mich, sondern um meine Arbeit.
00:08:20: Das dauert ein paar Minuten und fertig, aber
00:08:23: es macht mir Spaß.
00:08:30: Wir sprechen ja hier über less of the
00:08:31: same, also das Durchbrechen von Konventionen und von
00:08:34: dem Erwarteten.
00:08:35: Du hast ja einen sehr erkennbaren Stil und
00:08:39: arbeitest ja auch immer wieder in Serien.
00:08:43: Wie ist das für dich aus kommerzieller Sicht?
00:08:46: Musst du Erwartungen erfüllen?
00:08:48: Achtest du darauf, was du produzierst?
00:08:52: Denkst du an den Markt?
00:08:53: Machst du nur, was du willst?
00:08:56: Ja, also ich will im Prinzip keinen Konventionen
00:08:58: entsprechen und ich mache nur das, was ich
00:09:02: will, was für mich mir wichtig erscheint.
00:09:06: Natürlich muss ich davon leben und ich lebe
00:09:08: davon, aber ich würde nie etwas tun oder
00:09:12: mich einer Thematik nicht stellen, die mir als
00:09:16: wichtig erscheint, nur weil ich Angst habe, dass
00:09:18: es unverkäuflich ist oder nicht korrekt ist.
00:09:20: Natürlich geht es um Korrektheit und ich nähe
00:09:23: mich ja doch kritischen Themen, politischen Themen und
00:09:26: da achte ich natürlich darauf, wie ich das
00:09:28: tue.
00:09:29: Also da gibt es ja auch schon noch
00:09:30: Grenzen, aber ich lasse mich sicher nicht zu
00:09:34: niemandem einschränken.
00:09:36: Und hast du nie Sorge, verkauft sich das?
00:09:38: Daran denkst du gar nicht?
00:09:40: Nein, du hast mich gerade gefragt, ob ich
00:09:42: im Vorhinein darüber nachdenke, ob das Bild, die
00:09:45: Arbeit, die Zeichnung, was auch immer verkäuflich ist.
00:09:48: Nein, ich denke mir, das ist auch der
00:09:49: falsche Zugang.
00:09:50: Ich habe Themen, die mich beschäftigen, die ich
00:09:52: meistens seriell bearbeite.
00:09:54: Manchmal sind es auch nur Einzelwerke, weil es
00:09:58: mir ein Bedürfnis ist, das zu tun.
00:10:01: Klar möchte ich es dann irgendwann verkaufen, aber
00:10:03: das wäre der falsche Gedanke.
00:10:06: Der Inhalt kommt zuerst.
00:10:09: Ich glaube, so spürt man, ob jemand etwas
00:10:11: aus Überzeugung und Leidenschaft und innerem Antrieb macht.
00:10:14: Ich glaube schon, ja.
00:10:15: Das große Wort Authentizität ist spürbar.
00:10:21: Das spürt jeder Mensch, egal wie bewusst er
00:10:23: darüber nachdenkt.
00:10:24: Ob das wirklich vom Herzen kommt, das ist
00:10:27: mir jetzt etwas zu romantisch, aber ob es
00:10:28: wirklich aus einem eigenen inneren Bedürfnis kommt oder
00:10:33: ob es irgendwie konstruiert ist.
00:10:35: Wir werden sicher auch in die Richtung diskutieren.
00:10:39: Genauso wie ich glaube, dass eine bewusste Provokation
00:10:42: spürbar ist.
00:10:43: Das ist etwas, was mich auch nicht interessiert.
00:10:45: Ich werde ja gerade wieder einmal ein bisschen
00:10:48: quasi vorgeführt wegen einer Arbeit, die, wir werden
00:10:52: nämlich auch darüber sprechen, nie als Provokation gedacht
00:10:55: war.
00:10:56: Und auch keine ist meiner Meinung nach.
00:10:58: Und ich finde, bewusst provozieren zu wollen, finde
00:11:01: ich egal welcher Lebensphase oder Lebensform und Arbeit
00:11:04: falsch.
00:11:07: Für mich auf jeden Fall würde sich das
00:11:09: falsch anfühlen.
00:11:10: Ja, es gibt ja gerade einen medialen Aufruhr
00:11:12: wegen einer deiner Arbeiten.
00:11:13: Wir kommen dann später noch darauf.
00:11:15: Ich möchte noch dazu fügen, dass ich finde,
00:11:16: dass die Welt eine Provokation per se ist.
00:11:18: Und das, was ich in meiner Kunst darstelle
00:11:20: oder versuche darzustellen oder für mich zu bearbeiten,
00:11:24: ist eigentlich persönlich mit dieser provokanten Welt umzugehen.
00:11:28: Ich sage immer, das, was ich darstelle, gut,
00:11:30: manche irritiert, das ist hart.
00:11:33: Aber die Welt ist hart.
00:11:34: Meine Kunst kann gar nicht so hart sein
00:11:36: wie das, was gerade um uns herum passiert.
00:11:39: Aber nicht, dass es überklickt.
00:11:43: Ich verstehe total, was du meinst.
00:11:45: Es sprechen ja viele von multiplen Krisen im
00:11:48: Moment.
00:11:49: Hast du das Gefühl, dass die Welt zurzeit
00:11:50: härter ist als zuvor?
00:11:53: Den Eindruck habe ich.
00:11:54: Ich denke viel darüber nach.
00:11:56: Natürlich diskutiere ich mit Freunden, Bekannten, Menschen darüber.
00:12:00: Manchmal frage ich mich schon, ob wir uns
00:12:01: ein bisschen einreden, dass es härter ist.
00:12:03: Weil wir natürlich, wir reden ja auch vorher
00:12:05: über die sozialen Netzwerke.
00:12:06: Wir werden natürlich permanent auch überschallt an Informationen.
00:12:11: Es ist immer viel passiert auf der Welt.
00:12:13: Ich frage mich manchmal, ob wir uns das
00:12:15: nicht ein bisschen einreden, dass es so viel
00:12:17: ist.
00:12:17: Natürlich erscheint es mir irre, was alles passiert.
00:12:21: Aber gleichzeitig frage ich mich, war das eigentlich
00:12:23: nicht immer so?
00:12:24: Es sind schon auch die Medien ein ganz
00:12:26: großes Thema.
00:12:28: Sind es die Medien oder sind es die
00:12:30: sozialen Medien?
00:12:31: Ich würde die Medien ganz im Großen und
00:12:33: Ganzen sehen.
00:12:35: Wenn ich jeden Tag in die Trafik gehe
00:12:37: und die Titelseiten sehe, es ist nur negativ.
00:12:42: Es sind mehrere negative Meldungen.
00:12:44: Ich denke, es wäre mal ein interessantes Experiment,
00:12:47: einfach einen Tag nur, es wird gut, darauf
00:12:49: zu schreiben.
00:12:50: Auch wenn es vielleicht eine Lüge ist, aber
00:12:51: es macht ja was.
00:12:53: Es gibt ja eine Wechselwirkung.
00:12:55: Und das, was ich lese, ist ja auch
00:12:57: so eine selbstverfüllende Vorfüße.
00:13:00: Das nehme ich auf und das erzeugt eine
00:13:03: Stimmung.
00:13:03: Und aus der Stimmung agiere ich.
00:13:06: Ich halte schon die Medien für sehr mitschuldig.
00:13:09: Auch an diesem derzeit ein bisschen dystopischen Gefühl,
00:13:14: dass sich das da herrscht.
00:13:21: Nochmal zurück zu dem Thema, für wen man
00:13:23: arbeitet und wie man arbeitet.
00:13:25: Du hast das interessantes Mal gesagt, habe ich
00:13:28: in einem Interview gesehen, wo du gesprochen hast,
00:13:31: dass wenn eine Arbeit für dich fertig ist,
00:13:33: dann hast du auch kein Interesse mehr daran.
00:13:36: Könntest du dazu was sagen?
00:13:40: Ja, das hat sich nicht geändert, meine Einstellung
00:13:44: dazu.
00:13:45: Tatsächlich, wenn ich arbeiten konzipiere im Kopf, dann
00:13:49: recherchiere ich quasi Bildmaterial, dann baue ich sie
00:13:51: mir zusammen und dann setze ich es um.
00:13:55: Also die Idee quasi und das Bild ist
00:13:57: eigentlich schon in meinem Kopf und es geht
00:13:58: nur mehr darum, sie plastisch oder malerisch, zeichnerisch
00:14:02: umzusetzen und tatsächlich ist es dann für mich
00:14:05: nicht mehr interessant.
00:14:06: Das ist so wie wenn ich einen Satz
00:14:09: sage, wenn ich eine Feststellung mache, dann neige
00:14:12: ich schon auch manchmal zu Wiederholungen.
00:14:13: Ich weiß, es wird mir zumindest nachgesagt.
00:14:15: Aber im Prinzip mag ich keine Wiederholungen.
00:14:18: Das hast du schon oft gesagt.
00:14:20: Ja.
00:14:21: Schlechter Witz.
00:14:24: Und mich interessiert es aus der Sicht des
00:14:27: kreativen Akts.
00:14:30: Für mich bedeutet das, ich höre daraus, dass
00:14:32: sich der Prozess interessiert und wenn du es
00:14:36: dann gelöst hast, dann ziehst du weiter.
00:14:39: Ist das so?
00:14:40: Genau, ja.
00:14:41: Das kann man so sagen.
00:14:42: Und ich liebe Herausforderungen.
00:14:44: Also das, was mir schon sehr vertraut erscheint
00:14:48: oder was ich glaube sehr gut zu können,
00:14:50: obwohl ich glaube, dass ich nichts wirklich, natürlich
00:14:52: schon gar nicht perfekt kann, das wird mir
00:14:57: langweilig.
00:14:57: Mir ist dann relativ rasch langweilig und ich
00:15:00: möchte was Neues ausprobieren.
00:15:02: Genauso wie ich auch keine Lieblingstechnik habe oder
00:15:05: mich auch nicht als, schon gar nicht als
00:15:07: Malerin sehe, manchmal nicht einmal als bildende Künstlerin,
00:15:10: sondern eben ja auch Escape-Räume gemacht habe
00:15:12: oder mir fast jedes Medium vorstellen kann.
00:15:16: Ich auch privat immer wieder neue Sportarten ausprobiere
00:15:20: oder Musikinstrumente versuche zu lernen.
00:15:23: Alles natürlich immer so semi-gut dann vielleicht.
00:15:26: Aber ja, ich bin einfach ein neugieriger Mensch
00:15:30: und es interessieren mich neue Dinge und ich
00:15:33: will nicht auf dem beharren oder fest sitzen
00:15:38: quasi und quasi in der ewigen Rille hängen
00:15:42: bleiben.
00:15:42: Also wenn ich dich richtig verstehe, dann kommt
00:15:44: die Tatsache, dass du mit deiner Kunst ja
00:15:46: eigentlich auch Less of the Same machst, weil
00:15:48: sie ist ja sehr abgegrenzt, sehr differenziert zu
00:15:53: anderen, dass das nicht aus einer Absicht kommt,
00:15:56: sondern aus einer Authentizität heraus.
00:16:00: Ja, es ist schon eine innere Notwendigkeit.
00:16:03: Also ich merke ganz selten, wenn ich Arbeiten
00:16:06: mache, vielleicht Auftragsarbeiten oder was auch immer, aber
00:16:08: es ist kaum der Fall, wenn mich was
00:16:11: nicht interessiert, dann habe ich auch nicht wirklich
00:16:12: Lust daran.
00:16:13: Und ich glaube, das spüre ich in der
00:16:15: Arbeit und ich glaube, das spürt dann auch
00:16:16: der Betrachter.
00:16:18: Also ich liebe es in die Arbeit, was
00:16:21: auch immer das für mich bedeutet, einfach mal
00:16:23: zu gehen und mich da zu challengen und
00:16:28: diese Dinge umzusetzen, die mich beschäftigen.
00:16:32: Vielleicht etwas therapeutisch.
00:16:33: Ich sage es immer, Kunst ist nicht Therapie,
00:16:35: aber vielleicht, ich sage mal, es ist mein
00:16:38: Glück, dass ich dieses Ventil habe quasi, weil
00:16:41: ich wüsste nicht, wie ich sonst mit der
00:16:42: Welt umgehen würde, wenn ich mich da in
00:16:44: der Kunst ausbauen könnte.
00:16:46: Das heißt, wenn ich das richtig verstehe, dass
00:16:48: die Ideen dir zufallen, das Wort Einfall hat
00:16:52: ja den Grund, dass es das gibt.
00:16:55: Du gehst auf der Straße spazieren und plötzlich
00:16:57: denkst du dir, jetzt mache ich das.
00:17:00: Jetzt ist es soweit.
00:17:01: Du hast zum Beispiel gesprochen darüber, dass du
00:17:04: eine Serie gemacht hast zum Thema Ernährung.
00:17:07: In diesem Interview hast du gesagt, da hast
00:17:09: du begonnen, dich dafür zu interessieren.
00:17:11: Wie kommst du zu deinen Themen?
00:17:13: Ich komme unterschiedlich zu den Themen.
00:17:15: Ja, es ist manchmal einfach Erlebnisse, Gespräche.
00:17:20: Ein Beispiel.
00:17:21: Ich habe zum Beispiel auf Facebook einen Bekannten
00:17:24: von mir, das ist viele Jahre her, hat
00:17:26: einen Obdachlosen gepostet und hat sich darüber mockiert.
00:17:31: Hat diesen Menschen, der eh schon am Boden,
00:17:33: am wahrsten sind im Boden liegt, dann auch
00:17:34: nochmal quasi, ist er nochmal auf den quasi
00:17:38: verbal draufgetreten.
00:17:39: Und das hat mich wahnsinnig erzürnt.
00:17:41: Das hat mich traurig gemacht.
00:17:43: Ich bin kein Mensch, der dann was drunterschreibt,
00:17:44: kommentiert, weil, ja, habe ich nicht getan, aber
00:17:48: es ist eine Arbeit daraus entstanden.
00:17:49: Ich habe dann tatsächlich eine Skulptur gemacht, wo
00:17:52: eine Selfie-machende Frau quasi sich vor einem
00:17:55: Obdachlosen fotografiert.
00:17:57: Das ist eine Möglichkeit, wie ein Thema entsteht.
00:18:00: Es können nur die Nachrichten sein.
00:18:01: Es kann natürlich auch eine konkrete Anfrage sein.
00:18:04: Was ich sehr mag ist, wenn man mich,
00:18:06: es gibt Künstler, die mögen das gar nicht,
00:18:08: wenn man mit Themen auf mich zukommt.
00:18:10: Wenn man sagt, Deborah, interessiert dich das?
00:18:14: Fällt dir dazu was ein?
00:18:14: Mir fällt fast allem irgendwas ein.
00:18:17: Wie gut das dann ist, sehe ich danach
00:18:19: oder sind die Betrachter danach.
00:18:22: Aber, ja, weil ich auch schon, weil das
00:18:26: Themen sind, auf die ich selber nicht käme.
00:18:28: Was mir noch einfällt, ist jetzt ein kleines
00:18:30: Beispiel vor, weiß ich nicht, wie lange das
00:18:32: her, als die Kneislein an Knicks gemacht hat
00:18:35: von Putin, wir können uns erinnern, nehme ich
00:18:38: an, habe ich mich begonnen, mit dem Thema
00:18:41: Knigge zu befassen und habe dann eine Arbeit
00:18:43: gemacht über den Knigge.
00:18:45: Und das nützt jetzt einmal die Chance, weil
00:18:47: es immer wieder, auch in seriösen Formaten, immer
00:18:51: von Knigge gesprochen wird, wenn es um Manieren
00:18:53: geht.
00:18:54: Der Adolf Freier von Knigge hat überhaupt nichts
00:18:57: mit Manieren zu tun und ob man der
00:18:59: Frau irgendwie in den Mantel hilft oder wie
00:19:01: man das Besteck hält, sondern der hat sich
00:19:03: mit der Gesellschaft auf eine sehr kritische und
00:19:06: durchaus bitterböse Art befasst.
00:19:08: Und das hätte ich jetzt, könnte ich jetzt
00:19:10: auch nicht erzählen und wissen, wenn ich die
00:19:13: Kneislein an Knicks gemacht hätte von Herrn Putin.
00:19:17: Also, danke ihr.
00:19:19: Das kenne ich aus meiner Arbeit in der
00:19:22: Kommunikation.
00:19:23: Funktioniert das ja auch oft so, dass man
00:19:24: sehr schnell, sehr tief in ein Thema eintaucht
00:19:26: und sich damit auseinandersetzt.
00:19:28: Ich habe ausschließlich Auftragsarbeiten.
00:19:31: Was passiert denn, wenn du eine Auftragsarbeit annimmst
00:19:33: und das Ergebnis ist da und gibt es
00:19:39: dann eine Kundenfreigabe oder gibt es Feedback, musst
00:19:42: du dann nochmal was überarbeiten, ist schon mal
00:19:44: was abgelehnt worden, wie funktioniert das bei Kunst?
00:19:47: Naja, Auftragsarbeiten in der Kunst können ja unterschiedlich
00:19:50: sein von, jetzt weiß ich nicht, einem Porträt,
00:19:54: also wenn ich Porträts mache, haben natürlich, sind
00:19:56: es auch mit Tierköpfen, bis hin zu Escape
00:19:58: -Räumen, da ist die Absprache unterschiedlich.
00:20:02: Also ich versuche schon halt, natürlich gewisse Dinge
00:20:04: vorher klarzustellen, damit ich auch nicht ins Leere
00:20:07: hineinarbeite.
00:20:09: Klar, je nach Aufwand der Arbeit, so Escape
00:20:12: -Räume.
00:20:12: Ich habe dieses Jahr im Rahmen des Johann
00:20:15: -Strauß-Jahres einen Escape-Raum gemacht, da muss
00:20:17: man natürlich mit dem Auftraggeber immer wieder sprechen
00:20:20: quasi, dass man etwas macht, wo beide, wo
00:20:24: alle quasi zufrieden sind, aber was mir immer
00:20:27: wichtig ist, ich muss mich in den Spiegel
00:20:29: schauen können und ich möchte ich bleiben.
00:20:31: Also Aufträge ja, gut und schön, aber ich
00:20:35: bin ich und ich bleibe ich quasi und
00:20:37: ich habe meinen Stil und meine Linie, ja,
00:20:40: auf gewisse Dinge kann und muss ich Rücksicht
00:20:41: nehmen, aber verbiegend nein.
00:20:44: Die Charlotte, mit der wir diesen Podcast ja
00:20:46: gemeinsam machen, hat gemeint, dass sie in deiner
00:20:50: Kunst sieht, eine Interaktion, also eine Reaktion, auch,
00:20:54: dass es ein Dialog ist, gebe ich das
00:20:55: so richtig wieder?
00:20:57: Ja.
00:20:58: Wie siehst du das?
00:21:00: Ja, ich meine, ich habe das ja eh
00:21:01: schon angedeutet, dass quasi, Charlotte meint das quasi,
00:21:04: es ist aus der Kreation wird oder die
00:21:06: Kreation wird eine Reaktion oder umgekehrt eben, ja,
00:21:09: ich reagiere auf die Welt.
00:21:11: Also ich reagiere auf das, was ich sehe,
00:21:13: was ich erlebe, eh auf das, was mich
00:21:16: verstört in der Kunst.
00:21:17: Also meine Kunst ist jetzt nicht immer die
00:21:20: Wohlfühlkunst, also ich behandle schon eher die unbequemen
00:21:23: Themen, als das Schöne, ja, das stimmt.
00:21:27: Und der Grund?
00:21:28: Das wird mir manchmal vorgeworfen, manchmal sagen Menschen,
00:21:30: ja gut, das ist schon schwer verkäuflich, wer
00:21:31: will denn zu Hause ein Bild haben, wo
00:21:33: die Krieger quasi ins Wohnzimmer hineinwinken oder schon
00:21:36: hineinschreiten.
00:21:37: Aber so sehe ich halt die Welt, ich
00:21:39: sehe sie tatsächlich bedroht in mehrerer Hinsicht.
00:21:43: Und ja, das ist meine kreative, meine Kreationsreaktion,
00:21:47: kreative Reaktion, ja, so.
00:21:49: Das war dieses Wortspiel.
00:21:50: Ja, ich würde dich gerne fragen zum Thema
00:21:55: Techniken, ob du welche verwendest zur Ideenfindung oder
00:22:00: ob das immer von selbst kommt?
00:22:02: Ja, wie gesagt, technisch bin ich komplett offen.
00:22:05: Also Zeichnen, Malen, Skulpturen, immersive Räume, ich kann
00:22:11: mir da auch noch viel mehr vorstellen.
00:22:13: Auch in die vierte, fünfte Dimension, wie auch
00:22:16: immer gehen.
00:22:17: Das Virtuelle ist jetzt, habe ich zwar auch
00:22:20: schon ein Projekt gemacht, interessiert mich persönlich nicht
00:22:22: so sehr, die virtuelle Welt.
00:22:24: Habe aber mal ein virtuelles Bühnenstück ausgestattet, das
00:22:28: war ziemlich spannend.
00:22:30: Aber ich sehe da ja keine Grenzen.
00:22:32: Also wie gesagt, für mich ist der Inhalt
00:22:34: an erster Stelle und es entsteht eher dann
00:22:37: die Entscheidung quasi, in welchem Medium setze ich
00:22:39: es um.
00:22:41: Und auch da, weil ich vorher meine Neugier
00:22:43: erwähnt habe, ich habe zum Beispiel eine Porzellan
00:22:49: -Edition gemacht.
00:22:50: Da musste ich mich mit Porzellan auseinander, natürlich
00:22:52: habe ich es nicht selber gemacht, sondern mit
00:22:53: einem Porzellan-Keraminator, so ähnlich oder wie er
00:22:57: sich nennt, also einem Porzellan-Produzenten und sowas
00:23:01: finde ich spannend.
00:23:03: Also dann ist es wieder ein neues Medium.
00:23:05: Was ist Porzellan?
00:23:06: Wie wird das gemacht?
00:23:06: Wo kommt das her?
00:23:08: Oder ich habe ein Kinderbuch gemacht mit der
00:23:10: Andrea Grill und habe auf einmal das erste
00:23:14: Mal in meinem Leben mit Aquarell gearbeitet.
00:23:16: Also wie gesagt, ich bin eigentlich, ich sage
00:23:18: das jetzt sehr platt, für jeden Chance zu
00:23:20: haben, sodass ich mich in den Spiegel schauen
00:23:21: kann dabei.
00:23:22: Okay.
00:23:24: Ich habe jetzt auch gemeint, Kreativitätstechnik.
00:23:27: Also um Dinge zu produzieren, machst du da
00:23:31: etwas?
00:23:32: Es gibt ein Beispiel vom David Lynch, ein
00:23:34: Interview, wo er sagt, er setzt sich in
00:23:37: einen Sessel und sitzt einfach und tut nichts
00:23:40: und irgendwann einmal steigen Bilder auf.
00:23:42: Zum Beispiel der Cowboy in Lost Highway ist
00:23:46: anscheinend so entstanden.
00:23:48: Er sagt, er kennt die Bedeutung dieser Bilder
00:23:50: selbst nicht unbedingt, aber er verarbeitet sie dann.
00:23:54: Hast du irgend so eine Mechanik?
00:23:56: Ich dachte, dass du David Lynch, mit dem
00:23:58: mache ich jeden Tag auf.
00:24:00: Also mit deinem Foto von ihm.
00:24:01: Bist du tot?
00:24:02: Nein, nein.
00:24:04: Glaubst du?
00:24:04: Ja.
00:24:06: Ein Foto von Ingo Bertram.
00:24:08: Ich bin ein großer David Lynch Fan gewesen,
00:24:10: zumindest von den früheren Filmen.
00:24:12: Nein, es sind auch schon Arbeiten im Traum
00:24:15: entstanden.
00:24:16: Also wie gesagt, die kreativen Prozesse sind sehr
00:24:18: unterschiedlich.
00:24:19: Sie entstehen durch Gespräche.
00:24:21: Es sind auch wirklich, da fällt jetzt kein
00:24:23: konkretes Beispiel ein, ich träume immer schon sehr
00:24:27: intensiv und sehr detailliert.
00:24:32: Es sind mir Arbeiten im Traum erschienen.
00:24:33: Vielleicht ging es mir ähnlich wie David Lynch,
00:24:35: ohne mich jetzt mit ihm vergleichen zu dürfen,
00:24:38: wo ich auch nicht gleich wusste, was bedeutet
00:24:41: das, und es dann erst zu reflektieren begonnen
00:24:44: habe.
00:24:46: Die kreativen Anstöße kommen in unterschiedlicher Form.
00:24:50: Auch da mag ich gerne eine Abwechslung.
00:24:52: Aber ich habe kein Ritual, dass ich in
00:24:55: irgendeinem speziellen Sessel sitze oder die spezielle Route
00:24:58: abgehe.
00:24:59: Manchmal saß ich vielleicht in einem Sessel und
00:25:00: es kam was, aber es ist kein Ritual,
00:25:02: nein.
00:25:03: Verstehst du deine Arbeiten selbst immer?
00:25:06: Ich glaube schon, ja.
00:25:08: Doch, ja.
00:25:09: Nein, weil ich doch etwas ganz Konkretes erzählen
00:25:12: will.
00:25:14: Früher waren meine Arbeiten, glaube ich, ich sage
00:25:17: das selber ganz bewusst, plakativer quasi, mit einem
00:25:20: gewissen Message konnotiert.
00:25:23: Das fällt immer mehr weg.
00:25:25: Ich möchte eigentlich sogar mir selber mehr Offenheit
00:25:28: lassen.
00:25:29: Man muss im Prinzip gar nichts darin sehen,
00:25:33: sondern mich interessiert das Narrativ.
00:25:36: Deswegen sehe ich mich nicht wirklich als bildende
00:25:38: Künstlerin.
00:25:39: Ich persönlich lese sehr viel.
00:25:41: Ich mag Theater, Film, also ich mag Geschichten.
00:25:45: Und ich möchte eigentlich auch Geschichten erzählen.
00:25:49: Manchmal sind mir die Bilder fast zu klein,
00:25:52: weil sie haben natürlich eine Grenze.
00:25:54: Und die versuche ich irgendwie zu überschreiten, indem
00:25:58: ich beispielsweise seit einer gewissen Zeit Ebenen in
00:26:01: die Bilder einbaue, also bildnerische Ebenen.
00:26:04: Und versuche so dieses Narrative einzubauen.
00:26:08: Und manchmal denke ich mir auch, ah, interessant,
00:26:12: da entdecke ich selber Aspekte meiner Arbeit nach
00:26:15: Entstehung derer.
00:26:17: Okay, das passiert dir auch.
00:26:19: Gelegentlich.
00:26:20: Ich finde, das sind die schönsten Momente, wenn
00:26:22: man sich selbst überrascht.
00:26:23: Ja, generell, ja.
00:26:32: Wie siehst du denn das Verhältnis von Kommunikation,
00:26:35: Werbung und Kunst?
00:26:36: Ich finde, manche deiner Arbeiten haben ja eine
00:26:38: ganz klare Idee.
00:26:40: Das kann ich fast mit Werbung vergleichen.
00:26:43: Man kann sie verstehen.
00:26:44: Das ist nicht bei jeder Art von Kunst
00:26:46: so.
00:26:47: Siehst du da eine Verwandtschaft?
00:26:50: Ja, die kann ich durchaus sehen.
00:26:52: Ich habe mich auch mit dem Thema Werbung
00:26:53: in gewissen Serien beschäftigt.
00:26:57: Es gibt eine Serie, die heißt Mad World
00:26:58: Housing, wo ich mich mit Werbesujets der 50er
00:27:02: bis 70er Jahre auseinandergesetzt habe, wo einfach Dinge
00:27:05: noch möglich waren, die heutzutage sicher zensuriert werden
00:27:09: würden, zu Recht auch, weil sie sexistisch und
00:27:11: was auch immer sind.
00:27:15: Darauf kommen, was du auch meinst.
00:27:17: Das ist auch ein Begriff, den ich an
00:27:19: sich schrecklich finde.
00:27:20: Ich finde, meine Kunst ist niederschwellig.
00:27:23: Damit meine ich, dass ich oft das Gefühl
00:27:26: habe, dass die Kunst auf seinem Sockel steht
00:27:28: und so einen Exklusivitätsanspruch hat, der aber eigentlich
00:27:32: die Menschen eher vertreibt.
00:27:34: Man will ja doch mit Kunst Menschen erreichen.
00:27:36: Also ich zumindest.
00:27:36: Das, was ich erzähle, was ich vermitteln will,
00:27:39: möchte ich einem möglichst großen Publikum vermitteln und
00:27:42: nicht diesen zwei, drei Prozent, die quasi in
00:27:45: Museen gehen oder sich für Kunst interessieren.
00:27:47: Es ist ein Schrecker und es sind nur
00:27:48: so wenige, glaube ich mal.
00:27:51: Sondern ich möchte jeden eigentlich anlocken.
00:27:54: Und dadurch erscheint es oft in erster Linie,
00:27:58: meine Kunst recht plakativ und das bewusst, weil
00:28:01: ich mir denke, ich möchte sie jedem öffnen.
00:28:03: Und dann, sage ich immer, gibt es kleine
00:28:04: Türen, weil es in meinem Wanderland, wo sie
00:28:08: dann in diesen Kaninchenbau immer weiter hineinkommt, da
00:28:13: sind natürlich ganz viele Gedanken drin.
00:28:14: Aber wenn ich von Anfang an es so
00:28:16: verkompliziert, verklausuliert darstelle, dann werde ich natürlich auch
00:28:21: kein Publikum erreichen.
00:28:22: Und dann kann ich natürlich meine Gedanken nur
00:28:26: mit sehr wenigen Menschen teilen.
00:28:27: Und da bin ich schon vielleicht sehr nah
00:28:29: dran an dem, was ich auch mache.
00:28:31: Das heißt, du willst schon verstanden werden?
00:28:34: Verstanden werden?
00:28:35: Ich weiß nicht, ob ich verstanden werden will,
00:28:36: aber ich will schon eine gewisse Aufmerksamkeit, für
00:28:39: mich vielleicht, ja, aber für meine Gedanken generieren,
00:28:44: ja.
00:28:44: Das will ich schon.
00:28:46: Ich habe hier das Magazin Reportagen, das ich
00:28:50: sehr empfehlen kann übrigens, mitgebracht.
00:28:53: Hier geht es um das Thema Entscheidungen treffen.
00:28:57: Und das würde mich interessieren, welche Rolle das
00:28:58: in deinem Leben spielt.
00:28:59: Da ist ein Gespräch mit einem Professor der
00:29:03: Psychologie, der das Institut für Entscheidung gegründet hat,
00:29:10: ein Institut, und der sagt, dass insbesondere, ich
00:29:15: zitiere jetzt, Social Media fördern die ständige Angst,
00:29:18: etwas Besseres zu versäumen.
00:29:19: Denn Plattformen wie Meta oder TikTok wollen gar
00:29:21: nicht, dass sie sich entscheiden.
00:29:23: Sie wollen einfach, dass sie weiterwischen, in der
00:29:25: Hoffnung, noch etwas Besseres zu finden.
00:29:28: Welche Rolle spielen Entscheidungen treffen in deinem Leben
00:29:31: und in deiner Kunst?
00:29:35: Ich finde Entscheidungen, ja, spielen eine große Rolle.
00:29:39: Tatsächlich ist es, glaube ich, ich denke über
00:29:43: diese Dinge schon sehr bewusst nach, quasi.
00:29:45: Ob jetzt privat oder in der Kunst, aber
00:29:48: bleiben wir bitte bei meiner Kunst.
00:29:50: Okay.
00:29:52: Wenn ich ein Bild erstelle, und es zuerst
00:29:55: einmal quasi digital erstelle, also das Motiv erarbeite
00:29:58: ich so gut wie immer digital, überlege ich
00:30:01: mir schon ganz genau, nicht nur welches Tier,
00:30:03: sondern welches Motiv, und recherchiere dann auch quasi,
00:30:08: wo kommt das eigentlich her?
00:30:10: Darf ich das verwenden?
00:30:11: Wie kann ich es verwenden?
00:30:13: Also da bin ich schon recht pingelig, würde
00:30:15: ich jetzt sagen, in den Entscheidungen quasi, was
00:30:20: ich wie transportieren möchte bildlich.
00:30:24: Das war auch meins damit.
00:30:25: Ja, und hast du Arbeiten, wo du findest,
00:30:29: das ist dir besser gelungen, oder weniger gut
00:30:31: gelungen?
00:30:31: Natürlich, ja.
00:30:32: Also es gibt, auch ich habe Lieblingsarbeiten, also
00:30:35: ich sage immer, es verlässt keine Arbeit mein
00:30:37: Haus, mein Atelier, hinter der ich nicht stehe.
00:30:41: Das würde ich natürlich nicht zulassen, aber es
00:30:45: gibt schon für mich auch Masterpieces.
00:30:47: Und das spüre ich, und ich spüre es
00:30:48: meistens schon im Prozess des Machens.
00:30:51: Und ich spüre es leider auch manchmal im
00:30:53: Prozess, dass es kein Masterpiece wird.
00:30:54: Ich bringe es aber doch zu Ende, weil
00:30:56: ich so gut wie alles zu Ende bringe.
00:30:58: Oder ich meine, wenn ich schon ganz am
00:31:00: Anfang bin, dann vielleicht nicht, aber wenn ich
00:31:02: schon eine Woche dran saß irgendwie, dann würde
00:31:04: es mir wehtun.
00:31:06: Also es stehen keine unfertigen Werke bei mir
00:31:08: herum, es stehen bessere und schlechtere herum.
00:31:11: Fühlst du dich frei im Moment des Ausdenkens
00:31:14: und Machens?
00:31:15: Ja, also das ist einer der Grundbedingungen oder
00:31:19: Hauptaspekte, warum ich Kunst mache, weil sie mich
00:31:22: eben frei macht und frei lässt.
00:31:24: Ich habe ja, als ich nach 18 zu
00:31:27: studieren begonnen habe, gleichzeitig Biologie studiert, eineinhalb Jahre,
00:31:31: und habe eine Woche spätnächtig gedacht, das sollte
00:31:35: ich wieder fortsetzen, aber das ist doch wahrscheinlich
00:31:37: ein bisschen zeitaufwendig.
00:31:39: Aber da hatte ich die Sorge, dass mich
00:31:41: das nicht frei machen wird.
00:31:43: Also ich bin ein unglaublich freiheitsbedürftiger Mensch, also
00:31:46: auch in jeglicher Lebensform.
00:31:49: Wenn ich mich nur irgendwie eingeengt fühle, dann
00:31:51: kriege ich Panik.
00:31:55: Halb dazu passend habe ich hier ein Buch
00:31:57: mitgebracht.
00:31:59: Das ist von Mildred Portney Chase, das den
00:32:02: fantastischen Titel trägt Just Being at the Piano.
00:32:07: Und da schreibt sie, dass es unmöglich ist,
00:32:13: sich selbstbewusst und total involviert in die Musik
00:32:17: zu sein.
00:32:18: Das Bewusste Selbst ist eine Barriere zwischen dem
00:32:22: Menschen und dem Instrument.
00:32:25: Wie sehr trifft das bei dir auf deine
00:32:26: Arbeit zu?
00:32:29: Wie meinst du das jetzt konkret?
00:32:31: Dass man im Akt des Kreierens, den Abstand
00:32:36: nicht hat, oder dass man in einen Zustand
00:32:39: kommt, in dem man sich seiner selbst nicht
00:32:40: mehr bewusst ist, man verliert sich sozusagen, man
00:32:42: geht auf in diesem Prozess.
00:32:45: Ich kenne das aus meinem Leben, das am
00:32:47: besten schreibe ich, wenn ich aufhöre darüber nachzudenken,
00:32:51: was ich schreibe, und einfach in diesen Flow
00:32:55: komme.
00:32:56: Beim Schreiben, ich habe tatsächlich, das kann ich
00:32:58: dir erzählen, einen Text angefangen, wenn ich jetzt
00:33:01: was male, zeichne, wie auch immer, es ist
00:33:03: anders, weil ja eben, wie ich schon zweimal,
00:33:06: jetzt wiederhole ich mich nicht gerne, aber ich
00:33:07: tue es gerade eben wieder, das Konzept vorher
00:33:12: entstanden ist.
00:33:14: Und ich ja dann ganz konkret quasi etwas,
00:33:16: eigentlich nur mehr ausführe, was ich mir schon
00:33:17: vorher ausgedacht habe.
00:33:19: Tatsächlich schreibe ich seit einigen Monaten an einem
00:33:22: Text, ob dieser Text jemals die Öffentlichkeit erreichen
00:33:25: wird, das entscheide ich dann.
00:33:27: Aber da ist es ein ganz anderer Prozess,
00:33:29: da muss ich wirklich loslassen können, weil sonst
00:33:32: komme ich über einen Satz stundenweise nicht weiter,
00:33:35: weil ich derartig in meinem perfektionistischen Wahn irgendwie
00:33:39: nie zufrieden bin mit diesem Satz, auch wenn
00:33:41: er nur aus wenigen Worten besteht.
00:33:43: Da muss ich mir dieses Loslassen einfach gönnen,
00:33:49: weil sonst wäre ich noch lange nicht über
00:33:52: eine Seite hinausgekommen.
00:33:55: Reflektierst du über deinen kreativen Prozess, oder ist
00:33:58: das etwas, was du komplett unbewusst machst?
00:34:01: Natürlich mache ich das.
00:34:03: Ich will sagen, manchmal eher zu viel.
00:34:07: Oft ist es spannend, alte Arbeiten zu sehen.
00:34:10: Ich kann mich natürlich an meine Arbeiten erinnern,
00:34:11: mein Hirn funktioniert noch, aber manchmal sehe ich
00:34:15: Arbeiten, die Jahre alt sind, und die ich
00:34:16: echt vergessen hatte.
00:34:18: Manchmal bin ich entsetzt.
00:34:20: Entsetzt war ich nicht, aber ich denke, das
00:34:21: könnte ich heute besser.
00:34:22: Manchmal denke ich, wow, eigentlich spannend, das vor
00:34:25: 20 Jahren.
00:34:28: Das ist oft interessanter, eben weil wir vorhin
00:34:30: gesprochen haben, wenn etwas fertig ist, wenn ich
00:34:33: eine Arbeit fertig mache, was ich als Skulptur
00:34:34: nicht, aber bei zweidimensionalen Arbeiten, das Letzte ist
00:34:38: meine Unterschrift, Vorname, Nachname, Beistrich, Ja, Punkt.
00:34:43: Und dieser Punkt, das ist mein Ritual, wenn
00:34:46: der gemacht ist, ist das Bild fertig.
00:34:47: Wird auch nie mehr geändert.
00:34:49: Ich gehöre auch nicht zu den Künstlern, die
00:34:51: Jahre später sagen, naja, jetzt mache ich da
00:34:54: drüber, oder mach das anders, vorbei.
00:34:56: Weißt du, dass du fertig bist mit deiner
00:34:57: Arbeit?
00:34:58: Weil ich ja das Motiv vorher schon entwickelt
00:35:01: habe, und das ja, ich sage mal, ich
00:35:03: nur abmale.
00:35:03: Ich sage mal, malen nach Zahlen, aber ich
00:35:05: glaube, man muss schon malen können.
00:35:08: Für mich fühlt es sich so an, manchmal.
00:35:10: Aber trotzdem gibt es ja dann irgendwann den
00:35:12: letzten Pinselstrich.
00:35:13: Das ist der Punkt.
00:35:15: Woher weißt du, wann du den Punkt setzt?
00:35:18: Na ja, wenn das Bild voll gefüllt ist,
00:35:21: wenn ich das, was ich darstellen wollte, ich
00:35:24: male quasi nach einem Motiv, das machen ja
00:35:27: viele gegenständliche Maler, dass sie ein Foto daneben
00:35:30: hängen oder kleben oder wie auch immer, und
00:35:33: das abmalen.
00:35:34: Und wenn das alles das am Bild ist,
00:35:36: was am Foto ist oder auf dem Motiv,
00:35:38: dann ist es fertig, und dann darf ich
00:35:40: meinen Punkt setzen und was essen gehen.
00:35:44: Oder was auch immer.
00:35:51: Sie spricht über die Einsamkeit des Künstlers.
00:35:55: Sie sagt, dass Künstler sich damit abfinden müssen,
00:35:58: dass ihre Bemühungen von der Gesellschaft nicht gebraucht
00:36:02: oder gewünscht werden.
00:36:04: Ja, da spricht sie leider wahre Worte.
00:36:07: Und dann sagt sie aber, der Grund, warum
00:36:09: sie das macht, ist, weil sie in einem
00:36:10: ständigen Zustand der Entdeckung und des gesteigerten Bewusstseins
00:36:14: leben kann.
00:36:16: Wie siehst du deine Rolle in der Gesellschaft?
00:36:19: Also zum Thema Einsamkeit, da kann ich sehr
00:36:21: zustimmen.
00:36:22: Es ist ein wahnsinnig einsamer Beruf, und wenn
00:36:24: ich mit jungen Künstlern, angehenden Künstlern, Studenten rede,
00:36:28: sage ich, ihr müsst es wirklich wollen.
00:36:31: Da haben wir auch schon drüber gesprochen, du
00:36:33: musst diesen Beruf wollen, weil sonst wirst du
00:36:36: darin erstens nicht gut sein, und sehr, sehr
00:36:39: unglücklich sein, weil es ist verdammt einsam, tageweise
00:36:42: im Atelier zu sitzen und niemanden um dich
00:36:46: zu haben.
00:36:47: Ich mag es, ich bin gerne allein, manchmal
00:36:49: ist es auch mir zu viel, manchmal fehlt
00:36:52: mir auch der Austausch, deswegen freue ich mich
00:36:54: über so Gespräche wie diese und diese auch
00:36:56: sehr spannenden Fragen von dir, weil ich das
00:37:00: manchmal zu selten habe.
00:37:01: Also gerade in den letzten Monaten habe ich
00:37:03: mich oft darüber beklagt, dass mir ja, ein
00:37:07: bisschen die Reibung fehlt, dass das Gespräch, das
00:37:10: kannst du natürlich generieren über Postings oder Ausstellungen,
00:37:13: nur es gelingt dir nicht immer, es kommt
00:37:15: dir nicht immer was zurück.
00:37:17: Und da neigt man, oder ich dann schon
00:37:19: oft, quasi ein bisschen zu rotieren und ein
00:37:22: bisschen dann in den Zweifel zu geraten.
00:37:23: Zweifel ist ja gut, aber manchmal wird er
00:37:26: zu stark, weil eben das Gegenüber fehlt.
00:37:30: Du hast gerade das Wort Reibung verwendet.
00:37:32: Brauchen wir Menschen Reibung?
00:37:34: Braucht es Reibung, damit etwas, damit Kommunikation gut
00:37:38: ist?
00:37:39: Ich finde schon, dass es Reibung braucht, und
00:37:41: damit meine ich jetzt nicht Streit, also ich
00:37:43: bin ein Mensch, der nicht gern streitet, aber
00:37:45: wenn man Reibung auch als Diskurs betrachten würde,
00:37:48: bin ich absolut der Meinung, dass wir das
00:37:50: brauchen, um eben nicht in diesen, wir reden
00:37:53: ja immer wieder über diese Social Media und
00:37:56: so weiter, das verleitet natürlich dazu, das Denken
00:37:58: abzunehmen.
00:38:00: Also mir hoffentlich nicht.
00:38:01: Oder auch eben diese ganze KI-Diskussion.
00:38:05: Ich finde das alles wunderbar, dass es diese
00:38:07: Mittel gibt, aber wir dürfen bitte nicht vergessen,
00:38:09: auch noch bei Verstand zu bleiben und es
00:38:11: nicht komplett abzugeben.
00:38:13: Und das geht nur in einer Reibung, in
00:38:15: einer Reflexion, in einer Selbstreflexion und in einem
00:38:19: Diskurs.
00:38:21: Das Thema Provokation.
00:38:25: Willst du provozieren?
00:38:26: Nein.
00:38:27: Aber du provozierst.
00:38:29: Ja, weil ich das darstelle, was passiert.
00:38:32: Aber es ist nicht, ich überlege mir nicht,
00:38:36: da würden mir ärgere Dinge einfallen.
00:38:39: Also nehme ich mal an, aber das wäre
00:38:41: mir zu dumm, zu banal irgendwie.
00:38:43: Ich stelle das dar, was ist und ich
00:38:46: wurde vor über 10 Jahren wirklich verfolgt und
00:38:49: mit Mord bedroht für eine Arbeit, wo ich
00:38:51: ein Huhn am Kreuz als Objekt quasi abgebildet
00:38:55: habe und Inri ersetzt habe durch KFC, Kentucky
00:38:59: Fried Chicken.
00:39:00: Und jeder Mensch, der Augen und Kopf hat
00:39:02: und ein bisschen mitdenkt, hat verstanden, dass es
00:39:04: hier um die Massentierhaltung geht.
00:39:07: Und das ist nun mal so, dass Tiere
00:39:09: gequält werden.
00:39:10: Das sollte doch jeder wissen und dann auch
00:39:12: verstehen.
00:39:13: Und insofern war es eine abgebildete Provokation.
00:39:17: Nämlich die Provokation, wie mit Tieren umgegangen wird
00:39:19: und keine von mir bewusste Provokation an religiösen
00:39:24: Menschen.
00:39:24: Ich bin selber nicht religiös, was ich bedauere,
00:39:27: weil es würde mir manchmal helfen, vielleicht die
00:39:28: Welt etwas besser zu ertragen.
00:39:31: Aber es stört mich nicht, wenn es andere
00:39:33: sind.
00:39:34: Würdest du sagen, dass die Welt dich provoziert
00:39:37: und du in deiner Kunst diese Provokation eigentlich
00:39:40: nur an eine größere Audience weitergibst?
00:39:43: Also dieses What the?
00:39:45: Was passiert hier gerade?
00:39:46: Leute, ihr könnt nicht weitermachen wie immer.
00:39:49: Wir müssen uns das kurz mal gemeinsam anschauen.
00:39:51: Das kann man doch so sagen.
00:39:53: Mich provoziert fühlen?
00:39:55: Ja, schon.
00:39:57: Ich finde einfach, dass wahnsinnig viele Dinge in
00:40:00: eine durchaus fragwürdige Richtung laufen.
00:40:03: Und das stelle ich dar.
00:40:06: Ich stelle die Provokation dar, die passiert.
00:40:09: Und provoziert scheinbar manche damit.
00:40:11: Aber in einer vollkommen fehlgeleiteten Weise.
00:40:14: Also wenn ich jetzt dieses Huhn erwähnt habe,
00:40:17: ist das, was provoziert hat, überhaupt nicht mit
00:40:20: dem Inhalt Korrespondent quasi, den ich darin gesehen
00:40:23: habe.
00:40:26: Wenn Kunst missverstanden wird, manchmal wird auch deine
00:40:31: Kunst missverstanden, ist es dann deine Aufgabe, das
00:40:36: zu erklären?
00:40:37: Oder gehört es zum Dialog dazu, dieses Missverständnis?
00:40:41: Ich finde, Missverständnis ist auch erlaubt.
00:40:44: Das ist auch spannend.
00:40:45: Das habe ich schon ein bisschen erwähnt.
00:40:47: Ich finde, man darf ja auch was anderes
00:40:49: drin sehen.
00:40:51: Also jetzt gerade bin ich wieder mal im,
00:40:55: wie sagt man da, medialen Kreuzfeuer wegen einem
00:41:00: Wolfschafspriester.
00:41:01: Darüber werden wir nämlich auch noch vielleicht ein
00:41:03: bisschen genauer reden.
00:41:06: Mir geht es in dieser Arbeit um die
00:41:08: Übergriffe, die in der katholischen Kirche passiert sind,
00:41:11: die auch sehr bewusst von der Kirche damit
00:41:14: umgegangen wurde.
00:41:17: Ein Freund hat einer Freundin gesagt, er sieht
00:41:19: eigentlich den verzweifelten Priester.
00:41:20: Ich fand das wunderschön.
00:41:22: Ich finde es immer wieder schön, wenn Menschen
00:41:23: etwas anderes drin sehen und mich auch meine
00:41:27: Kunst dadurch durch neue Augen sehen zu lassen.
00:41:31: Ich meine, wenn etwas so missverständlich läuft wie
00:41:33: mit dem Huhn oder jetzt auch mit dem
00:41:36: Priester, dann kläre ich auf.
00:41:39: Obwohl, ehrlich gesagt, ich erlebe das ja gerade
00:41:41: wieder die, die das drin sehen wollen.
00:41:43: Das für mich sage ich jetzt in dem
00:41:44: konkreten Fall, mit denen kann man leider nicht
00:41:46: reden.
00:41:47: Mit denen kann ich das hundertmal erklären, dass
00:41:49: ich das ganz anders gesehen habe und nichts
00:41:52: gegen ihre Religion habe, sondern hier einfach etwas
00:41:55: darstelle, was nun mal passiert ist.
00:41:57: Und ich hoffe, nicht mehr oder weniger passiert.
00:42:00: Ja, leider funktioniert der Dialog nicht wirklich.
00:42:04: Aber da kann man vielleicht die künstliche Intelligenz
00:42:08: sogar mit Religion so ein bisschen vergleichen, weil
00:42:11: es geht ja im Prinzip darum, dass etwas
00:42:13: Gelerntes immer wiederholt wird und daraus etwas Neues
00:42:15: gespeist wird.
00:42:16: Alles, was aus diesem Musterfeld provoziert.
00:42:19: Du hast gerade deine Arbeit erwähnt, in der
00:42:21: ein Priester einen Schafspelz trägt und Wolfszähne hat.
00:42:26: Wenn ich jetzt eine KI bitten würde, ein
00:42:29: Kunstwerk zu machen, das einen Priester darstellt, würde
00:42:32: die KI wahrscheinlich alles Mögliche machen, aber der
00:42:35: Priester hätte sehr wahrscheinlich weder einen Schafspelz noch
00:42:39: Wolfszähne.
00:42:41: Also wäre quasi zahnlos und damit auch problemlos.
00:42:46: Ist das die Aufgabe der Kunst, hier dann
00:42:51: zu brechen, beziehungsweise ist das, was provoziert und
00:42:54: Kunst aus etwas macht, genau diese eine Zutat,
00:42:57: auf die der Algorithmus nicht kommt?
00:42:59: Würdest du sagen, das ist das, was Kunst
00:43:01: ausmacht?
00:43:02: Jedenfalls.
00:43:03: Insofern fühle ich mich, also in meiner Berufssparte
00:43:05: von der KI nicht bedroht, weil die KI
00:43:07: so intelligent oder so kreativ wird sie nicht
00:43:09: sein, eben einen Wolfsschafspriester zu machen.
00:43:14: Und noch etwas, auch das sage ich immer
00:43:16: wieder, Kunst hat diese unglaubliche Möglichkeit, Dinge sichtbar
00:43:22: zu machen.
00:43:23: Das dürfen wir, das sollen wir auch.
00:43:25: Es gibt immer auch Grenzen, aber es muss
00:43:27: nicht.
00:43:28: Es gibt auch wunderbare abstrakte Kunst, mir wäre
00:43:31: es zu langweilig, ich mache sie nicht, ich
00:43:33: sehe sie gerne, ich lege sie mir auch
00:43:35: gerne auf.
00:43:36: Für mich, ich mache politische, gesellschaftskritische Kunst, weil
00:43:40: ich denke, das ist eine wunderbare Form, eben
00:43:43: Themen sichtbar zu machen.
00:43:45: Was sind die Haltungen, weiß ich nicht, sexueller
00:43:48: Missbrauch, was auch immer, einfach Themen, die uns
00:43:53: leider begleiten.
00:43:55: Und das halt in einer Form, die, auch
00:43:57: das hat mir schon vorher, ich mag auch
00:44:00: nicht diese im ersten Blick verstörende Kunst, mir
00:44:03: ist erstens die technische Qualität sehr wichtig, die
00:44:05: Machart, dass das wirklich perfekt ist, technisch gesehen.
00:44:10: Und bei mir ist auch immer Humor drinnen,
00:44:12: weil, wenn ich gleich mit dem Holzhammer komme
00:44:15: und gleich mit diesen eh schon sehr schwierigen
00:44:17: Themen, dann schauen die Leute weg, verständlich, wir
00:44:20: sind überfordert an Negativnachrichten.
00:44:24: Und so versuche ich die Leute ein bisschen
00:44:26: mit einem Trick zu catchen, über, hoffe ich,
00:44:30: eine relativ perfekte Ausführung, aber eben auch mit
00:44:34: so einem Augenzwinkern, mit einem Humor.
00:44:36: Und dann hängen die Leute drin und dann
00:44:38: kommen sie nicht mehr aus meinen Fängern.
00:44:40: Würdest du sagen, dass Kontroversen die Kunst widerspiegeln,
00:44:45: auf die sie sich beziehen oder aus der
00:44:47: sie herauswachsen?
00:44:48: Oder würdest du sagen, Kontroversen spiegeln eigentlich vielmehr
00:44:51: die Unfähigkeit der Gesellschaft dar, mit dieser Kunst
00:44:55: umzugehen, oder mit gewissen Themen umzugehen?
00:45:00: Ich will im Prinzip nicht alles über den
00:45:02: Kamm scheren, es sind auch nicht alle zu
00:45:04: blöd, das zu verstehen, genauso wie nicht alle
00:45:06: Priesterwölfe im Schafspelz sind.
00:45:10: Es tun sich manche schwer, so wie jetzt
00:45:13: eben in dieser ganzen Künstlerhaus-Debatte um diese
00:45:17: Religionsausstellung, aber ich habe das Gefühl, die wollen
00:45:21: auch nicht.
00:45:22: Diese Menschen, die sich dann festgefahren haben, quasi
00:45:26: da Blasphemie zu sehen, in dieser konkreten Ausstellung,
00:45:30: die wollen, nein, sie verweigern es, sie verwehren
00:45:34: sich quasi, anders darüber zu denken und zu
00:45:38: reden.
00:45:38: Und sie wollen auch gar keine Antworten, das
00:45:40: finde ich so spannend.
00:45:41: Sie feinden an, sie verurteilen, sie unterstellen uns
00:45:48: etwas, uns Künstler, oder dem Künstlerhaus, und sie
00:45:51: warten gar nicht auf die Antwort.
00:45:53: Sie wollen einfach nur senden, und das ist
00:45:54: natürlich ein Thema, das kennt man ja auch
00:45:57: in der Werbung, oder eben wir reden Social
00:45:59: Media, es wird gesendet, gesendet, gesendet, aber das
00:46:01: ist eigentlich, der Empfänger ist eigentlich gar nicht
00:46:04: mehr interessant.
00:46:05: Es geht nunmehr quasi ums Rausschreien.
00:46:07: Also, naja, mit dem Senden, also dieses, ein
00:46:21: bisschen tiefer.
00:46:27: Glaubst du, dass das ein Phänomen der Zeit
00:46:32: ist, die wir gerade mit der künstlichen Intelligenz
00:46:35: so ein bisschen befeuern, dass die Leute nicht
00:46:39: mehr nachfragen generell, also, dass die Neugier so
00:46:42: ein bisschen verloren geht, weil man sich nicht
00:46:44: mehr selbstständig über Themen informiert, sondern quasi nur
00:46:48: noch seine Frage in die KI gibt und
00:46:50: die Antwort nimmt, die man bekommt?
00:46:52: Ach, die KI sehe ich da gar nicht
00:46:53: so.
00:46:54: Gut, ich nütze sie, ja gut, ich nütze
00:46:56: sie natürlich, weil wenn ich in Google gehe,
00:46:57: bin ich schon mal in der KI, aber
00:46:59: ich habe noch nie GQT verwendet, also ich
00:47:01: weiß nicht mal, wo ich das finde, weil
00:47:03: ich bin da ein bisschen ungebildet oder desinteressiert.
00:47:06: Nein, ich habe da sehe ich die KI
00:47:08: nicht als Gefahr.
00:47:09: Ich glaube, das ist schon viel länger, dass
00:47:11: und das sehe ich tatsächlich als sehr großes
00:47:13: Problem der Gesellschaft, dass die Leute, das ist
00:47:17: diese Lagergeschichte, das ist ja, nein, entweder, oder,
00:47:20: bei fast jeder Thematik, ich bin dafür, dagegen,
00:47:22: es gibt ja was dazwischen.
00:47:24: Und ich sehe das auch oft in Diskussionen
00:47:28: auch mit Menschen aus verschiedenen Bereichen, verschiedenen Alters
00:47:31: quasi, dass da wird mir was an den
00:47:33: Kopf geworfen, da wird was gesagt, aber die
00:47:35: Antwort ist nicht mehr relevant.
00:47:37: Es geht eben noch einmal nur mehr ums
00:47:39: Senden und ich bin, ich habe diese Meinung
00:47:42: und und und unverrückbar diese Meinung, darf ja
00:47:51: auch sein irgendwie, aber mir fehlt der Dialog,
00:47:53: die Diskussion, mir fehlen immer mehr diese Grautöne
00:47:56: dazwischen, die versuche ich zum Beispiel auch in
00:47:58: meinen Arbeiten darzustellen, das Dazwischen.
00:48:02: Bekommst du denn...
00:48:08: Also ich kann da auch ein Beispiel erzählen,
00:48:12: ich hatte vor einem Jahr eine Freundin von
00:48:15: mir, ist in Chicago Professorin auf der Universität
00:48:20: und kommt immer wieder mit Studenten nach Europa,
00:48:23: nach Österreich, Deutschland, das sind so meistens ihre
00:48:25: Hauptziele, und die waren bei mir im Atelier
00:48:27: und ich habe halt in meinem so semi
00:48:30: -guten Englisch, entspricht es nicht meinen persönlichen Erwartungen,
00:48:34: aber habe ich halt versucht, über meine Arbeiten
00:48:36: zu sprechen, so ähnlich wie hier jetzt, so
00:48:40: allgemein auch und habe dann irgendwie vollkommen unbedacht
00:48:42: eben genau diese Thematik, die wir jetzt gerade
00:48:45: sprechen, von der ich gerade erzähle, diese Graustufen,
00:48:49: dieses Dazwischen, habe irgendwie so dahin geredet und
00:48:52: habe gesagt, ja, das ist jetzt zum Beispiel,
00:48:53: wie werden wir jetzt nehmen diese ganze Israel
00:48:55: -Palästina-Geschichte irgendwie, ich finde das so schwierig,
00:48:57: dieses, die einen sind böse, die anderen sind
00:49:00: gut und das ist mir zu banal.
00:49:03: Dazu stehe ich, also nach wie vor.
00:49:05: Und das Atelier hat sich gelehrt, es ist
00:49:07: in einer nach dem anderen gegangen und ich
00:49:09: habe gedacht, okay, vielleicht ist der einen schlecht,
00:49:11: oder ich weiß nicht, es ist hier zu
00:49:11: heiß, zu kalt, und das Atelier wurde immer
00:49:14: leerer und leerer und irgendwann stand ich dann
00:49:16: alleine da mit der Professorin, meiner Freundin, und
00:49:18: die sagt, ja Deborah, bist du gar verrückt?
00:49:20: Sag ich, ja, vielleicht schon, aber warum?
00:49:23: Du hast gerade quasi dieses Thema, aber jetzt
00:49:25: sage ich, welches?
00:49:26: Naja, dieses Palästina-Thema, die sind alle pro
00:49:30: Palästina total aktivistisch irgendwie und du hast das
00:49:33: quasi in Frage gestellt.
00:49:35: Und das finde ich halt, das war irgendwie
00:49:37: erschreckend und amüsant gleichzeitig, aber das ist ein
00:49:40: sehr gutes Beispiel für ein Problem, das ich
00:49:43: sehe derzeit.
00:49:45: Das ist nur eines von vielen Beispielen, bei
00:49:46: diesem Palästina-Konflikt hängt es sich besonders auf.
00:49:51: Aber siehst du deine Kunst auch so ein
00:49:54: bisschen als Aufgabe, die Leute aus ihrer Komfortzone
00:49:59: rauszuschubsen, oder zumindest mal aufzumachen, dass es vielleicht
00:50:05: noch eine andere Wahrheit gibt?
00:50:07: Natürlich, also erstens bin ich nicht der Wahrheit
00:50:09: letzter Schluss, aber wenn mir das gelingt, eben
00:50:14: über quasi vielleicht diese ein bisschen trickreiche Methode
00:50:18: des Humors, die Menschen in eine Thematik reinzuziehen,
00:50:21: ist das natürlich das, was ich möchte.
00:50:23: Ich sage auch immer, ich möchte auch niemanden
00:50:24: missionieren.
00:50:26: Warum auch?
00:50:27: Also es steht mir auch nicht zu.
00:50:28: Aber ich habe vor einigen Jahren meinen ersten
00:50:30: Escape-Room gemacht zum Thema Flucht und das
00:50:33: war zum Beispiel, wäre ein sehr gutes Beispiel,
00:50:36: weil ich versucht habe über dieses spielerische, Spiel
00:50:40: und Flucht ist ja schon einmal eine sehr
00:50:42: schwierige Verbindung, aber mein Plan war es über
00:50:45: ein Freizeitvergnügen, nennen wir es mal so, Menschen
00:50:49: in diesen Raum zu locken und sie dann
00:50:52: im Raum, man kommt immer raus aus den
00:50:55: Escape-Räumen, aber quasi eingesperrt in dieser Thematik
00:50:59: sind, in der Flucht-Thematik sich dem dann
00:51:00: stellen müssen, weil entstanden ist der Escape-Raum
00:51:04: zum Thema Flucht, weil mich das so wahnsinnig
00:51:06: entsetzt hat und traurig gemacht hat, welche Ablehnung
00:51:10: da schnell da war.
00:51:11: Wir können uns erinnern, 2015 war es extrem,
00:51:14: wie diesen Menschen unterstellt wurde, sie wollen uns
00:51:16: was wegnehmen, so immer und das ist aus
00:51:20: einem Gefühl entstanden.
00:51:22: Ich dachte, okay, stellt es euch einfach mal
00:51:24: vor, wie es wäre, ich bin auch nie
00:51:25: geflohen zum Glück, aber allein der Gedanke mir
00:51:29: vorzustellen, ich muss mein Haus von heute auf
00:51:31: morgen verlassen, sehe vielleicht, wie meine Eltern abgeschlachtet
00:51:34: werden neben mir und sonst was, mir reicht
00:51:36: der Gedanke, um mich elend zu fühlen und
00:51:40: das wollte ich mit dem Raum vermitteln.
00:51:42: Blöd war halt nur, dass sich relativ rasch
00:51:44: herumgesprochen hat, dass wir relativ wenig Rätsel haben,
00:51:47: das heißt, gekommen sind nur die NGOs und
00:51:49: die Menschen, die sich eh quasi mit dem
00:51:51: Thema befassen und nicht die FPÖ-Wähler, die
00:51:54: ich eigentlich dort hinlocken wollte.
00:51:56: Wir hatten auch mit einer Flüchtlingsorganisation gearbeitet, es
00:51:59: haben Flüchtlinge dort gearbeitet, ich wollte, dass sie
00:52:02: wirklich mal diesen Personen gegenüberstehen, denen Auge in
00:52:05: Auge schauen und dann weiter so denken, wie
00:52:08: sie es tun.
00:52:10: Weil du gerade sagst, du bestimmst ja auch
00:52:12: nicht sozusagen die Wahrheit, du gibst ja, unterstelle
00:52:18: ich dir jetzt einfach mal, mit deiner Kunst
00:52:19: auch nicht wirklich Antworten, sondern du gibst viel
00:52:21: mehr Fragen und öffnest dieses Feld, dass man
00:52:25: seine eigene Wahrheit noch mal hinterfragen darf.
00:52:29: Es wäre ja einmaßig von mir zu sagen,
00:52:31: wenn ich die Wahrheit kenne, ich stelle mir
00:52:34: von anderen gerne Fragen, manchmal zu viel, manchmal
00:52:38: bin ich ein bisschen anstrengend, aber ja, das
00:52:42: ist halt meine Form.
00:52:43: Bekommst du denn auf diese Fragen manchmal auch
00:52:45: coole Antworten im Außen?
00:52:47: Also passiert dir das, dass durch deine Kunst
00:52:50: Dialoge entstehen, die dich dann auch noch mal
00:52:52: zum Nachdenken, dass das sozusagen weitergeht, so ein
00:52:55: Domino-Effekt?
00:52:57: Beispielsweise jetzt in diesem Podcast, also das Gespräch
00:53:00: mit euch, du hast jetzt Platz getauscht quasi,
00:53:04: gibt es da noch eine Rochade, allen das
00:53:06: ist der Beweis, dass spannende Fragen kommen, die
00:53:08: mich durchaus auch challengen und ich mir immer
00:53:10: wieder dazwischen denke, oh, hoffe ich kann ich
00:53:12: dem Halbrex Adequat irgendwie jetzt entsprechen, was ihr
00:53:15: mich da fragt, aber ich mag eben, das
00:53:17: sage ich auch immer, vor Interviews die Fragen
00:53:19: nicht kennen, weil dann wird man eben verleitet,
00:53:22: andere könnten in die KI schauen, irgendwie gesagt,
00:53:24: ich bin scheinbar zu blöd, die Chatschip nicht
00:53:26: zu nutzen, wie soll ich das mal lernen,
00:53:30: dann bereitet man sich natürlich anders vor.
00:53:32: Du findest ja in der KI schon statt,
00:53:33: du hast ja großartige Interviewfragen vorab schon gegeben
00:53:36: über die KI.
00:53:36: Ja, ja, eben, danke.
00:53:39: Du wirst schon bestens vertreten.
00:53:48: Provokation, Kontroverse, da sind ja gerade ein paar
00:53:53: Themen sehr aktuell bei dir.
00:53:57: Ich würde dir dazu jetzt auch gar keine
00:53:58: konkrete Frage stellen, sondern einfach sagen, Kunstfreiheit, Meinungsfreiheit,
00:54:04: deine Zwei-Minuten-Sendezeit, ab jetzt!
00:54:08: Okay.
00:54:09: Tatsächlich bin ich gerade relativ oder sehr beunruhigt,
00:54:14: ich sitze sicher nicht auch deswegen heute da,
00:54:17: weil es gerade ein Ausstieg im Künstlerhaus gibt
00:54:20: zum Thema Religion, wo sich ungefähr 40 Künstler
00:54:23: kritisch, humorvoll, wie auch immer mit dem Thema
00:54:26: christlicher Religion auseinandersetzen.
00:54:30: In meinem Fall der Wolfschafspriester und wir wirklich
00:54:34: verfolgt werden seit Wochen von dem ultrarechten Flügel,
00:54:38: okay, gehen, das war eh vielleicht zu erwarten.
00:54:41: Mittlerweile hat sich aber auch die Volkspartei diesen
00:54:44: Zug angeschlossen und was mich aber am allermeisten
00:54:48: schockiert ist, dass es bis dato, also wir
00:54:51: haben heute den 12.
00:54:53: Dezember, weiß ich nicht, glaube ich, so circa,
00:54:55: vermisse ich die komplette Unterstützung von unserem Kulturminister,
00:55:00: also von der sogenannten linken Seite, wo ich
00:55:04: auch diese Bezeichnung nicht mag, links, rechts, gut,
00:55:06: böse, was auch immer, aber nennen wir jetzt
00:55:07: die linke Seite und ich mir denke, okay,
00:55:10: wo ist die Unterstützung, wie weit damit der
00:55:13: Freiheit der Kunst, also es ist, ich sehe
00:55:17: da eine gewisse Bedrohung, also hierzulande, in anderen
00:55:19: Ländern sowieso auch und ich rede hier, glaube
00:55:22: ich, stellvertretend für viele, nicht nur für mich,
00:55:25: ich habe jetzt eine gewisse Aufmerksamkeit in den
00:55:27: Medialen, das ist nie schlecht irgendwie, bad news
00:55:30: or good news, aber mir wirft es vielmehr
00:55:33: die Frage auf, kommen wir langsam wieder in
00:55:37: Richtung Zensur?
00:55:38: Also wo ist die Politik, die quasi uns
00:55:41: gerade auch unterstützt?
00:55:42: Ich meine, das könnte ich natürlich noch weiter
00:55:44: ausholen quasi, dass alle Förderungen gestrichen werden, Kulturinstitutionen
00:55:48: schließen müssen, kleinere, die vielleicht mutige Projekte haben,
00:55:54: bitte wo ist die Unterstützung?
00:55:57: Also gibt es dann irgendwann nur mehr Heimatkunst
00:56:00: und quasi die bequeme Kunst, da ist dann
00:56:02: Kohle da quasi und die anderen, wir werden
00:56:05: ausgehungert, also du merkst da einen gewissen Zorn
00:56:09: bei mir oder eine Beunruhigung, die ich glaube
00:56:12: nicht überdramatisiere, sondern wo wir jetzt agieren müssen,
00:56:16: wir kulturschaffenden und kulturinteressierten Menschen, weil sonst haben
00:56:21: wir vielleicht in ein, zwei Jahren wirklich nicht
00:56:23: mehr die Möglichkeiten, das zu zeigen und sagen
00:56:25: zu dürfen und ja, ich finde Kunst darf
00:56:27: nicht alles, es gibt auch Grenzen der Geschmacklosigkeit,
00:56:31: finde ich, aber in dieser konkreten Ausstellung ist
00:56:33: keine Arbeit davon dabei, die das nur irgendwie
00:56:36: an diese Grenze gerät.
00:56:38: Nimmst du es bis zu einem gewissen Grad
00:56:40: auch als Kompliment, dass so reagiert wird auf
00:56:44: deine Kunst?
00:56:45: Also sie wird ja, das ist ja quasi
00:56:47: die Bestätigung dafür, dass es im Menschen doch
00:56:49: was auslöst, also dass deine Frage angekommen ist,
00:56:51: sozusagen.
00:56:52: Mir ist Emotion in der Kunst wichtig, ich
00:56:54: vermisse in manchen Kunstwerken, das ist eine andere
00:56:56: Thematik, Emotion, ich vermisse überhaupt ein bisschen in
00:56:59: der Gesellschaft Emotion, außer dieser aufgeladenen Wut, die
00:57:02: da da ist, irgendwie, wir haben ein bisschen
00:57:04: verlernt mit unseren Emotionen umzugehen, ja, das kann
00:57:08: ich als Kompliment sehen, dass sie offensichtlich was
00:57:10: macht, nur sie wird in diesem Fall vollkommen
00:57:12: missverstanden, insofern habe ich von dieser Emotion relativ
00:57:15: wenig, außer medialer Aufmerksamkeit, aber eigentlich viel Leitung,
00:57:21: ja.
00:57:23: Ich meine, und was kann ich auch quasi
00:57:26: aus dem Nähkästchen plaudern, ich hätte eine Ausstellung
00:57:28: nächstes Jahr haben sollen, außerhalb von Wien, die
00:57:32: wurde als Reaktion auf diese Hetze gegen mich
00:57:37: abgesagt, weil Personen, die mit der Ausstellung, die
00:57:40: dafür verantwortlich gewesen wären, offensichtlich jetzt nicht mehr
00:57:43: die Eier haben, dahinter zu stehen, weil sie
00:57:45: Angst haben, dass ihnen das vielleicht schaden könnte,
00:57:49: und ehrlich gesagt, das finde ich schon, im
00:57:50: Jahre dann 2026, ziemlich schlimm, man darüber quasi,
00:57:59: gestern gesprochen, ich meine, die Wahrheit ist den
00:58:01: Menschen zumutbar, Bachmann zu Ehren, nächstes Jahr 100
00:58:05: Jahre alt, oder ist es das scheinbar nicht
00:58:08: irgendwie?
00:58:09: Also wenn ich quasi über die Missbrauchsskandalien der
00:58:14: katholischen Kirche rede, wo sogar der Papst der
00:58:16: Vatikan dahinter steht, das aufgeklärt hat, oder versucht
00:58:20: aufzuklären, wenn ich mich mit dem Thema Krieg
00:58:23: befasse und mit meinen 180 Ratten den Ersten
00:58:28: Weltkrieg oder auch die Medien verhandle, das ist,
00:58:32: das muss man aushalten, weil das ist nun
00:58:34: mal die Welt.
00:58:35: Und wenn man mir das verbietet, zu zeigen
00:58:37: und zu sagen, dann werde ich nur noch
00:58:39: lauter.
00:58:41: Erlebst du im Zuge dessen auch, wie Menschen
00:58:45: sich dir abwenden oder zuwenden, je nachdem was
00:58:47: eine Mehrheit gut findet?
00:58:50: Also du sagst gerade, da sind dann quasi
00:58:52: Fans, die dich eigentlich supporten, die sagen, ja,
00:58:54: finde ich super, und sobald dann irgendwas Mediales
00:58:57: passiert, ist so, nee, doch, war ja auch
00:59:00: nicht unsere Idee, das so zu machen, oder
00:59:02: weißt du?
00:59:03: Also natürlich im Freundeskreis nicht.
00:59:07: Ja, also bei dieser Ausladung von der Ausstellung
00:59:11: war ich schon etwas überrascht, dass mir jetzt
00:59:13: die Ausstellung per se so wichtig gewesen wäre,
00:59:16: aber da merke ich, ja, das ist schon
00:59:18: ein ganz gutes Beispiel, wie sich dann gewisse
00:59:20: Menschen abwenden.
00:59:22: Und ich meine, ich versuche im Moment schon
00:59:24: auch, nicht nur aus Eitelkeit, sondern weil ich
00:59:26: hier wirklich eine Dringlichkeit sehe in dieser Zensurdebatte,
00:59:31: suche ich ein Podium und suche Gespräche und
00:59:33: noch, finde ich, sind es zu wenige Mitstreiter,
00:59:37: die mich hier jetzt auch nicht zu wichtig
00:59:39: nehmen, aber ich denke mir, wir brauchen mehr
00:59:42: dieser Stimmen, sonst sind wir in ein paar
00:59:44: Jahren, ich meine, wenn ich lese, gestern oder
00:59:46: vorgestern, das ist in Amerika, da will ich
00:59:48: jetzt eh nicht hin, aber bei der Einreise
00:59:51: fünf Jahre kontrollieren, was ich, ich meine, was
00:59:54: hätten sie das nicht vorher eh schon gemacht,
00:59:56: quasi von mir gegeben habe, poste, irgendwie, gut,
00:59:59: hätte ich sowieso Einreiseverbot, ich habe auch Trump
01:00:02: -kritische Arbeiten gemacht, einige, das ist, bitte, wo
01:00:07: führt das alles hin?
01:00:08: Ich stelle mal die steile These auf, weil
01:00:10: du gerade sagst, du möchtest dich nicht zu
01:00:11: wichtig nehmen, vielleicht ist es umso wichtiger, diese
01:00:15: Gefühle wichtiger zu nehmen, um nicht wieder in
01:00:19: dieser Sea of Sameness zu landen, was ja
01:00:21: hier Less of the Same so ein bisschen
01:00:23: das Thema ist.
01:00:23: Deswegen danke ich euch für dieses Podium, diese
01:00:27: Möglichkeit, weil ich, ich habe da sehr viel
01:00:29: Gefühl gerade in mir, wie Tobi ermerkt, und
01:00:35: ich möchte es eben rauslassen, ja, ich möchte
01:00:40: nur immer wieder auch betonen, das ist vielleicht
01:00:42: auch noch eigenartig, dass natürlich eine gewisse Grundeitelkeit
01:00:47: dabei quasi und ich weiß, hier geht es
01:00:49: auch um meine Kunst, aber ich sehe das
01:00:52: wirklich im größeren Stil als Gefahr.
01:00:54: Ich fand es gerade sehr schön, dass du
01:00:56: gesagt hast, dass da so viel Emotion drin
01:00:59: steckt.
01:01:01: Würdest du sagen, das ist auch das, was
01:01:05: wirkliche Kunst ausmacht?
01:01:08: In meinem Kopf ist künstliche Intelligenz ja die
01:01:13: Reproduktion von bereits dagewesenen Bausteinen, also sozusagen das
01:01:17: Handwerk irgendwie so ein bisschen.
01:01:20: Und wenn wir jetzt sagen, künstlerische Intelligenz, eigentlich
01:01:24: das emotionale Pendant dazu.
01:01:28: Schön gesagt, ja.
01:01:29: Da frage ich mich jetzt gerade, wenn die
01:01:32: künstliche Intelligenz immer lauter wird, brauchen wir noch
01:01:35: viel mehr künstlerische Intelligenz, um dem Ganzen was
01:01:39: entgegenzusetzen, um die Balance wiederzuhalten?
01:01:42: Die braucht es sowieso, also mit oder ohne
01:01:44: KI.
01:01:46: Also gut, gerne als Pendant zu dieser sozusagen
01:01:49: verteufelten, vielleicht auch zu Recht verteufelten KI, aber
01:01:52: wie gesagt, die künstlerische Intelligenz ist glaube ich
01:01:56: einfach eine schöne Form, quasi Dinge anders darzustellen.
01:02:03: Das habe ich auch schon gesagt.
01:02:04: Das ist eine wunderbare Möglichkeit, Dinge anders zu
01:02:09: erzählen und ein bisschen angstbefreiter mit Themen umzugehen.
01:02:13: Natürlich respektvoll, aber freier und mutiger.
01:02:19: Man könnte die KI, wenn wir jetzt gerade
01:02:21: schon beim Thema sind, wohlwollend als die große
01:02:24: Freiheit bezeichnen, weil es einfach vielen Menschen den
01:02:29: Zugang zu unglaublich vielen Informationen, zu sehr viel
01:02:33: Wissen gibt und auch zu einer neuen Form
01:02:36: von Produktivität, also wenn man sie so kleine
01:02:38: Jobs erledigen lässt sozusagen für sich.
01:02:40: Würdest du sagen, dass das wirklich Freiheit bedeutet
01:02:44: oder ist es eine Freiheit, die eigentlich eher
01:02:50: ein, um in deinem Bild zu bleiben, Wolfs
01:02:53: -im-Schaf-Pelz ist, ein Gefängnis ist, weil
01:02:57: sie aufgrund der Algorithmen in dieser Freiheit sehr
01:03:02: einschränkend ist?
01:03:03: Naja, ich höre relativ viel Radio neben der
01:03:06: Arbeit und da gibt es oft Features zu
01:03:08: dem Thema und da sagen dann beinahe kluge
01:03:12: Menschen, die sich damit viel besser oder ausführlicher
01:03:16: beschäftigen als ich, das ist immer die Frage,
01:03:18: wie man die Dinge nutzt.
01:03:20: Alles ist schlecht in der KI ist ja
01:03:22: auch eine Blödsinn und es wird sich sicher
01:03:23: viel am Berufsbild ändern und die jungen Menschen
01:03:26: werden andere Dinge anders lernen und wenn sie
01:03:31: Zeit spart, in der Medizin ist es sowieso
01:03:34: gut, aber wir dürfen nicht vergessen trotzdem nochmal
01:03:37: drüber zu schauen und wenn sie hilft quasi
01:03:42: eine Recherche zu machen und bei meinem Fall
01:03:46: hat das schon mal ganz gut funktioniert, aber
01:03:49: bitte trotzdem überprüfen, dann spart es ja auch
01:03:51: Zeit.
01:03:53: Aber das ist ja mit allem so quasi
01:03:54: unhinterfragt hinzunehmen, das ist halt die Gefahr.
01:04:00: Und da ist es halt vielleicht bei der
01:04:01: KI am größten, aber das hat ja schon
01:04:04: vorher angefangen.
01:04:05: Wie gesagt, wir sind wieder bei den sozialen
01:04:07: Medien, du kriegst das vorgespielt, was du suchst
01:04:12: eigentlich.
01:04:13: Und ich kriege karottentragende Biberratten, bis im Ratten
01:04:18: was auch immer und Bolderer, andere unpolitisch meistens
01:04:23: linken Inhalt, weil Social Media erkannt hat, dass
01:04:27: mich das offensichtlich mehr interessiert als Babys und
01:04:32: weiß ich nicht, rechten Inhalt.
01:04:36: Und stimmt, vielleicht fühle ich mich eh wohl
01:04:39: darin, aber ich interessiere mich trotzdem auch für
01:04:41: die andere Seite.
01:04:43: Darum geht es mir auch eben, dass man
01:04:45: erkennt, dass man quasi schon in einer gewissen
01:04:47: Blase ist und dass da etwas drumherum passiert.
01:04:52: Das vergessen viele.
01:04:53: Kümmerst du dich denn aktiv darum, aus dieser
01:04:56: Sea of Sameness quasi auszubrechen?
01:04:58: Du sagst, du bekommst lauter Boulder-Content ausgespielt,
01:05:00: aber du probierst zum Beispiel gerne neue Sportarten
01:05:03: aus.
01:05:04: Wie kommst du denn auf eine neue Sportart
01:05:05: dann?
01:05:06: Also ist das was, wo du versuchst, aktiv
01:05:07: auszubrechen?
01:05:09: Naja, ich habe ja zum Glück auch noch
01:05:11: eine reale Welt um mich und Menschen, die...
01:05:13: Kann nicht jeder von sich behaupten.
01:05:16: Ja, gestern war ein Feature of eins zum
01:05:21: Thema Einsamkeit und da war auch KDKI natürlich
01:05:24: ein großes Thema.
01:05:25: Es gibt ja schon Menschen, die Beziehungen führen
01:05:27: mit GGBT-Partnern.
01:05:30: Ich habe noch eine reale Welt, die mir
01:05:32: Dinge erzählt und mich neugierig macht.
01:05:34: Beispielsweise, als ich aufs Rudern vor ein paar
01:05:36: Jahren war.
01:05:37: Ruder.
01:05:38: Komischerweise kriege ich keine Ruder-Content.
01:05:40: Das wäre viel interessanter.
01:05:42: Das finde ich nämlich viel häufiger.
01:05:44: Hast du das auch?
01:05:46: Ich habe mit dem Water-Rower angefangen.
01:05:49: Aber eine Freundin von mir in Hamburg ist
01:05:53: in so einem Ruder-Verein und die haben
01:05:55: auch immer ganz großartige Partys und ein sehr
01:05:59: schönes Team.
01:06:00: Also die Partys sind jetzt für uns bis
01:06:03: jetzt noch nicht so rauschende Partys.
01:06:05: Aber wir sind ein toller Verein.
01:06:08: Ein guter Themenwechsel.
01:06:09: So etwas Positives.
01:06:11: Diesen Sommer meine erste Stromstaffel gerudert.
01:06:14: Das war total aufregend.
01:06:15: Mein erster sportlicher Wettbewerb.
01:06:18: Und darüber hat niemand berichtet?
01:06:21: Naja, das ist ja nicht provokant.
01:06:24: Wie schlecht ich rudere für mein Team, das
01:06:27: ist eine Provokation.
01:06:28: Aber ich glaube, das reicht nicht für die
01:06:30: Medien.
01:06:33: Aber solche Dinge entstehen halt, und wenn mir
01:06:37: halt relativ rasch fad wird, das klingt so,
01:06:40: als würde ich dann naseborend herumsitzen, aber ich
01:06:44: habe auch versucht, Akkordeon zu spielen.
01:06:47: Daran bin ich leider gescheitert.
01:06:48: Ich bin tatsächlich extrem unmusikalisch.
01:06:51: Aber ich habe es versucht zumindest.
01:06:53: Ich habe auch Russisch gelernt ein paar Jahre.
01:06:55: Also schon vor dem Krieg, aber dann trotzdem
01:06:57: wieder.
01:06:58: Um ein bisschen zu provozieren.
01:06:59: Das ist tatsächlich eine Provokation.
01:07:01: Aber auf Duolingo gab es kein Ukrainisch.
01:07:07: Mich hat die Sprache fasziniert.
01:07:09: Ich habe schon drei Anläufe versucht zu lernen.
01:07:13: Würdest du sagen, Neugier ist deine Superpower?
01:07:16: Ja.
01:07:17: Das habe ich von meiner Mutter geerbt.
01:07:19: Ich glaube, ich bin neugierig auf neue Dinge.
01:07:22: Ich bin neugierig auf Menschen.
01:07:25: Die Leute gehen mir auf die Nerven.
01:07:27: Im Großen und Ganzen immer mehr.
01:07:28: Aber eigentlich bin ich neugierig auf mein Gegenüber.
01:07:33: Ich glaube nicht, dass ich mit einem Nazi
01:07:35: jemals befreundet sein kann.
01:07:38: An sich würde ich versuchen, zumindest mit der
01:07:40: Person zu reden und sie nicht gleich abzulehnen,
01:07:43: was ich innerlich natürlich tue.
01:07:46: Aber zumindest mal ihnen eine Chance zu geben,
01:07:48: das anzuhören.
01:07:49: Das möchte ich vielleicht noch zuletzt sagen.
01:07:50: Dass ich das ein bisschen für problematisch halte.
01:07:52: Dass so viele Dinge gleich fair und beurteilt
01:07:55: werden und abgelehnt werden.
01:07:58: Zumindest sollte man versuchen, in einen Dialog zu
01:08:01: kommen.
01:08:03: Ganz steile These meinerseits.
01:08:05: Deswegen liebe ich Werbung, weil am Ende des
01:08:09: Tages ist es ja nichts anderes als Kommunikation.
01:08:11: Und ich glaube wirklich, dass Kommunikation die Welt
01:08:14: retten kann, weil alle Probleme, die es auf
01:08:16: der Welt gibt, eigentlich Kommunikationsprobleme sind.
01:08:19: Also Kriege auf dieser Welt, die es gibt,
01:08:21: sind Kommunikationsschwierigkeiten zwischen zwei Volksstämmen, zwei Ländern,
01:08:28: zwei regierenden Menschen, die sich nicht richtig verstehen.
01:08:32: Wenn wir sagen, eine Krankheit im Körper, selbst
01:08:34: das ist ja ein Kommunikationsproblem körperintern sozusagen.
01:08:40: Am Ende geht es darum, dass wir uns
01:08:43: gegenseitig wieder zuhören, Fragen stellen, sich gegenseitig füreinander
01:08:48: zu interessieren.
01:08:49: Das geht verloren und deswegen haben wir diese
01:08:51: populistischen Parteien, die sind ja cleverer scheinbar als
01:08:55: die anderen, die erkennen das, AfD und Co.,
01:08:58: dass sie quasi ihren Wählern das Gefühl geben,
01:09:02: ihnen zuzuhören, weil es fühlen sich viele Menschen,
01:09:04: wir haben viele Sorgen, wir haben viele Probleme
01:09:06: auf dieser Welt und die Menschen fühlen sich
01:09:08: nicht unterstützt, nicht gesehen, nicht gehört.
01:09:11: Und diese Parteien auch mit ihrer vereinfachten Sprache,
01:09:14: auch das ist intelligent, muss ich leider sagen,
01:09:17: fangen diese Menschen auf.
01:09:19: Sie fühlen sich verstanden, sie fühlen sich auch
01:09:20: quasi verbal verstanden und nicht in diesem intellektuellen
01:09:24: Geschwurbel, wo sie denken, so wie mit der
01:09:26: Kunst, ich bin zu blöd, ich verstehe es
01:09:28: eh nicht.
01:09:29: Du musst schon ein bisschen deinem Gegenüber auch
01:09:31: das Gefühl geben, dass du dich nicht herablässt,
01:09:33: da geht es nicht um unten oder oben,
01:09:35: aber quasi versuchst, deine gemeinsame Sprache zu finden.
01:09:38: Und so entsteht diese wahnsinnige Kluft, dass die
01:09:42: Menschen sagen, okay, ja, aber diese Partei versteht
01:09:46: mich, die ist da für mich, die will
01:09:48: mit mir reden und die anderen lehnen mich
01:09:49: eh nur ab und lassen mich im Stich.
01:09:52: Und das hat wahnsinnig viel und eigentlich fast
01:09:53: ausschließlich mit Kommunikation zu tun.
01:09:56: Und Trump beherrscht das auch perfekt, der bildet
01:09:58: keinen Satz, der glaube ich mehr als drei
01:10:00: bis fünf Worte hat, verwendet, kennt sie wahrscheinlich
01:10:03: tatsächlich nicht, keine Fremdworte, aber natürlich, das versteht
01:10:09: das Volk.
01:10:11: Findest du es passend für deine Kunst, die
01:10:14: einen ja oft mit einem großen Fragezeichen zurücklässt,
01:10:18: auch den Podcast hier an dieser Stelle zu
01:10:21: beenden mit einem ein bisschen düsteren Fragezeichen, wie
01:10:24: es wohl weitergeht mit dieser Welt?
01:10:26: Tja, das ist ein dickes, bold Fragezeichen, um
01:10:31: in der Werbesprache zu bleiben.
01:10:34: Dann machen wir das so.
01:10:36: Danke.
01:10:37: Vielen, vielen Dank.
01:10:38: Danke dir, ich danke euch.
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